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Praktikertipps: Wie Sie Ihren Raps jetzt sicher vor Krankheiten und Schädlingen schützen

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12 Mrz 2018
Nach eisigen Temperaturen mit bis zu -18 Grad Celsius, in weiten Teilen Deutschlands ohne schützende Schneedecke hauchen die milden Temperaturen nun dem Raps wieder Leben ein - begünstigen aber gleichzeitig Krankheiten und das Schädlingsvorkommen. Allerhöchste Zeit also für intensive Bestandskontrollen auf den Rapsschlägen. Dabei geht es nicht nur darum, mögliche Auswinterungsverluste zu beurteilen, sondern auch auf erste Stängelschädlinge und Krankheiten wie Phoma und Botrytis zu achten.

"Während im Norden Deutschlands eine schützende Schneedecke auf dem Raps lag, wurden viele Bestände in anderen Regionen - so z.B. auch in meinem Beratungsgebiet Sachsen-Anhalt - mit extremen Kahlfrösten konfrontiert. Glücklicherweise sind die Temperaturen vor diesem Kälteeinbruch langsam abgesunken, sodass die Pflanzen sich nicht im aktiven Wachstum befanden und eine gute Frosthärte aufgebaut hatten. Das hat uns sicherlich vor Schlimmerem bewahrt. Abgesehen von den Folgen des Kahlfrosts präsentieren sich die Bestände in diesem Frühjahr deutlich besser als im Frühjahr 2017. Auch die Schäden durch die Kleine Kohlfliege und den Rapserdfloh sind geringer als im Vorjahr", so die Einschätzung von Beater Müller, Beratungsmanagerin in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. 

Erleichtert ist auch der Versuchsingenieur Jens Schlehahn, der die Versuchsparzellen am Standort der DLG-Feldtage in Bernburg betreut. Momentan scheinen alle Bayer-Rapssorten den Kahlfrost gut überstanden zu haben.

Rapsparzellen am Standort der DLG-Feldtage in Bernburg während (27. Februar 2018, linkes Bild) und unmittelbar nach (5. März) den Kahlfrösten. Fotos: Jens Schlehahn.
Deutlich sorgenvoller betrachtet Dr. Manfred Rambow, Beratungsmanager in Schlewsig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern, die spät und vor allen Dingen nass bestellten Bestände in Norddeutschland. "Hier lag zwar in weiten Teilen eine schützende Schneedecke auf dem Raps, aber nicht überall.  Auf schweren Standorten stehen die Pflanzen seit Monaten im Nassen und die Wurzeln sind nur unzureichend entwickelt. Licht, Wärme und eine zeitige Gabe von Stickstoff und Schwefel ist bei diesen Beständen dringend nötig, um den Entwicklungsrückstand noch aufzuholen", so Rambow.


Fungizide und Wachstumsregler: Bestandesentwicklung gezielt fördern

Auch der Befall mit Krankheiten sollte in den Beständen gut beobachtet werden. Die Witterungsbedingungen waren im vergangenen Herbst insbesondere für späte Phomainfektionen sehr günstig und wurden durch die oftmals deutlich früher erfolgten Fungizidmaßnahmen im Herbst nur unzureichend abgedeckt.

raps; phoma; botrytis; ackerbau; landwirtschaft; pflanzenschutz; Pflanzenschutzmittel; expertprognose; phomainfektionIm Herbst 2017 war das Risiko für Phomainfektionen deutlich höher als 2016. (Foto: Expert Prognose, rot = hohes Risiko, gelb = mittleres Risiko, grün = geringes Risiko)
Sind Primärinfektionen erst einmal gesetzt, geht von den Phomablattflecken ein hohes Risiko für eine ertragswirksame Schädigung der Einzelpflanze, aber auch für die Ausbreitung des Erregers im gesamten Bestand aus. Deshalb sollten die Bestände nun gründlich auf einen Befall mit Phoma kontrolliert werden und dieser bei Bedarf mit Produkten mit einer guten Fungizidleistung bekämpft werden.

"Hinsichtlich Kurativ- sowie Protektivleistung bei Phoma ist Tilmor durch die Kombination der Wirkstoffe Prothioconazole und Tebuconazole ganz klar das Maß der Dinge. 0,75 l/ ha - besser noch: 1,0 l /ha - sollten eingesetzt werden, um eine Ausbreitung des Phomabefalls im Bestand wirkungsvoll zu verhindern und die Schadwirkung bei Pflanzen mit bereits gesetzter Herbstinfektion zu minimieren. Neben den Blattflecken sollten auch Stängelverletzungen durch Frost oder Schädlinge bei der Bestandskontrolle Beachtung finden, denn sie stellen Eintrittpforten und damit einen weiteren Risikofaktor für die besonders ertragswirksamen Phomainfektionen am Wurzelhals dar",  betont Kai Färber, Beratungsmanager in Thüringen und Sachsen. Zusätzlich zur Bekämpfung von Phoma sorgt die Fungizidmaßnahme im Frühjahr natürlich auch dafür, die Standfestigkeit des Bestandes abzusichern. Hierbei wird das Wachstum des Haupttriebs durch Tilmor gebremst und die Entwicklung der Seitentriebe gefördert. Das wirkt sich positiv auf die gleichmäßige Entwicklung und Abreife des Schotenpakets aus. Auch der positive Effekt auf die Wurzelentwicklung sollte bei schwachen Beständen nicht unterschätzt werden.

raps; botrytis; grauschimmelfäule; tilmor; phoma; Der graue Pilzrasen ist das typische Schadsymptom von Botrytis (Grauschimmelfäule) im Raps.
"Gut entwickelte und vitale Pflanzen mit einer kräftigen und gut verzweigten Pfahlwurzel sorgen für Stresstoleranz des Bestandes. Das ist auch ein entscheidender Vorteil, wenn Schwächepilze der Rapspflanze zu Leibe rücken. Gerade für einen Befall mit Botrytis (Grauschimmelfäule) sehe ich in diesem Jahr ein deutlich erhöhtes Risiko: Die Frostschäden an den Pflanzen bilden optimale Infektionsportale. Die abgefrorenen Blätter stellen ein ideales Nährmedium für die Schwächepilze dar und die aktuell feucht-warme Witterung tut ihr Übriges. Eine "Vitalisierung" des Bestands im Frühjahr mit Tilmor macht also in vielerlei Hinsicht Sinn", empfiehlt Beratungsmanager Andreas Lagemann-Kohnhorst (Westfalen & Rheinland).

Effekte von Tilmor im Raps:

- Effektiver Phomaschutz
- Einkürzung des Haupttriebs
- Förderung der Seitentriebentwicklung
- Verbesserte Wurzelentwicklung
- Vitalisierung des Bestandes

Expertenempfehlung: 0,75 - 1,0 l/ ha Tilmor in BBCH 30 - 59.

Applikationen sind bei wüchsiger Witterung nach Beginn des Längenwachstums bei einer Wuchshöhe von ca. 25 cm durchzuführen. Berücksichtigen Sie bei der Wahl Ihrer Aufwandmenge die Anfälligkeit der Sorte für Lager und Phoma, die Stickstoffnachlieferung sowie Wasserversorgung und Bestandsdichte.
Unser Tipp: Nutzen Sie den >>Tilmor Aufwandmengenrechner, um die optimale Aufwandmenge für Ihren Schlag zu bestimmen!


Schädlinge: Auf erste Zuflüge von Stängelrüsslern achten


Die milden Frühlingstage locken auch die ersten Rapsschädlinge ins Feld. Sobald die Tagestemperaturen 10 bis 12 Grad Celsius erreicht haben, werden die ersten Rüsselkäfer aktiv und fliegen in die Bestände ein. Zu den unverzichtbaren Maßnahmen gehört es nun, Gelbschalen schnellstmöglich auf allen Rapsschlägen zu platzieren (ca. 20 m entfernt vom Feldrand) und regelmäßig auf Schädlinge zu kontrollieren.  Wird die Schadschwelle überschritten, sollten Sie die Rüssler mit Hilfe eines Pyrethroides gezielt bekämpfen. "Hierbei ist es wichtig, die Rüssler zu bekämpfen, bevor sie zur Eiablage kommen. Dabei ist die Unterscheidung der beiden Rüsslerarten besonders wichtig. Während beim Großen Rapsstängelrüssler innerhalb von zwei bis drei Tagen behandelt werden muss, kann man sich beim Gefleckten Kohltriebrüssler durch den längeren Reifungsfraß mehr Zeit lassen. (Dauer: zehn bis 14 Tage) Gerade bei der knappen Arbeitszeit im Frühjahr ist das ein ganz wichtiger Ansatzpunkt. Ist eine Behandlung nötig, empfehlen wir den Einsatz von Decis forte mit einer Aufwandmenge von 0,075 l/ ha (Einsatz nur auf undrainierten Flächen), um die Schädlinge sicher zu kontrollieren", so Heiko Barho, Beratungsmanager in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Expertentipp: Rüssler ist nicht gleich Rüssler! Während der Große Rapsstängelrüssler sehr schnell mit der Eiablage beginnt und deshalb zügig nach Überschreiten der Schadschwelle zu bekämpfen ist, lässt sich der kleinere Gefleckte Kohltriebrüssler 10 bis 14 Tage Zeit für seinen Reifungsfraß und muss demnach nicht sofort bekämpft werden.


Großer Rapsstängelrüssler:
- fliegt aus den vorjährigen Rapsfeldern ein
- Reifungsfraß: kurz
- Käfer: 3,2 – 4 mm, schwarz, schwarze Endglieder an den Beinen
- Schadschwelle: 5 Käfer pro Gelbschale (mit Gitter) in 3 Tagen




Gefleckter Kohltriebrüssler
- fliegt von Waldrändern und Hecken ein
- Reifungsfraß: 10 -14 Tage
- Käfer: 2,5 -3,5 mm groß, rötliche Endglieder an den Beinen, heller Fleck auf dem Rücken
- Schadschwelle: 15 Käfer pro Gelbschale (mit Gitter) in 3 Tage

 

 



Wichtiger Hinweis für Pflanzenschutzmittel und Biozide
Für Pflanzenschutzmittel: „Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen“
Für Biozide: „Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.“