In der Gemeinde Geseke sagen sich Fuchs und Hase jetzt wieder gute Nacht. Das war nicht immer so, denn zu viele Füchse sind des Hasen Tod. Die örtliche Jägerschaft der Gemeinde hat sich deshalb einiges einfallen lassen, um die Chancengleichheit in Fauna und Flora wieder herzustellen.
Am Anfang stand das Zählen. Im Revier Störmede-Ost erreichte die Hasenstrecke im Jahr 1995 ein historisches Tief. Das war nicht nur für die Jagdgemeinschaft frustrierend. Der Hase gehört neben dem Rebhuhn zu den signifikanten Bioindikatoren eines Naturraumes. Sinkt deren Population, liegt etwas im Argen und es besteht Handlungsbedarf.
In der Gemeinde Störmede findet man Blühstreifen "an jeder Ecke".
Störmede liegt im östlichen Teil der Soester Börde und ist somit ein landwirtschaftlich intensiv genutzter Raum. War das der Grund für den Rückgang der Hasenpopulation? Jagdaufseher Anton Maas und Franz-Josef Maas-Peitzmeier, Mitglied der zuständigen Pächtergemeinschaft, wollten der Sache auf den Grund gehen. "Wer etwas von den Zusammenhängen der Natur versteht weiß, dass Landwirtbewirtschaftung allein den Hasen so massiv nicht zurückdrängen kann", erläutert der engagierte Jagdaufseher. "Es sind die Prädatoren, also die Räuber, die anderen Arten zum Verhängnis werden. In Deutschland ist der Räuber Nr. 1 in der Regel der Fuchs. Das wollten wir mit harten Fakten auch für unser Gebiet belegen".
Die Jägerschaft begann 1996 mit dem regelmäßigen Sammeln und Aufzeichnen von Daten, um den Status Quo aller Tierpopulationen zu erfassen. Parallel startete eine gezielte Raubwildbejagung mit dem Ziel der "Nachwuchsförderung" von Hase, Rebhuhn, Lerche, Kiebitz und Wachtel. Im Laufe der Jahre ist so ein einzigartiges Zahlenmaterial mit Beispielcharakter für andere Jagdpachtgemeinschaften entstanden.
Kein dauerhafter Erfolg ohne die Landwirtschaft
Gleichzeitig bemühte man sich, mit den ortsansässigen Landwirten ins Gespräch zu kommen mit dem Ziel, auf deren Flächen geeignete Rückzugsgebiete für die selten Arten zu etablieren. Die ersten Agrarumweltmaßnahmen und Förderprogramme kamen Mitte 2000, die Bereitschaft der Ackerbauern, mit der Jägerschaft an einem Strang zu ziehen, wuchs. Wesentlichen Anteil am gemeinsamen Kurs hatte Franz-Josef Maas-Peitzmeier. Er ist Pflanzenschutz-Berater bei Bayer CropScience und bewirtschaftet auch noch eigene landwirtschaftliche Flächen im Nebenerwerb. Zug um Zug konnte er seine Kollegen davon überzeugen, dass die Nutzung der Förderprogramme sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist. Inzwischen durchzieht die Gemeinde Störmede ein Netz von Blüh- und Uferrandstreifen, auf kleinen Flächen minderer Qualität haben Winterwicken das Getreide abgelöst und Ackerrandstreifen prägen das Landschaftsbild.
Hubertus Sprink (re.) stellte zwei Hektar seiner Ackerfläche für das Projekt zur Verfügung, das von Franz-Josef Maas-Peitzmeier betreut wurde.
Das Rebhuhn im Fokus
Das gemeinsame Engagement zeigte Wirkung. Aktuell 140 gezählte Hasen je hundert Hektar, die Rückkehr der ersten Rebhühner, die Ansiedlung der seltenen Wiesenweie und des Kiebitz sprechen eine eigene Sprache. Noch aber bewegen sich die Tiere zumeist in den Randgebieten. Es fehlt eine sinnvolle Vernetzung dieser Lebensräume.Mit einem bislang einzigartigen Projekt engagiert sich deshalb Bayer CropScience in der Region und hat in Landwirt Hubertus Sprink einen interessierten Mitstreiter gefunden. Der bewirtschaftet 150 Hektar Ackerland, zwei Hektar davon hat er für das Projekt zur Verfügung gestellt.
Auch diese Zusammenarbeit zeigt: Naturschutz mag eine Herzenssache sein, gelingen kann er aber nur mit Sachverstand. "Wir untersuchen hier die Möglichkeit, eine große Blühfläche in unmittelbarer Nachbarschaft zu intensiv geführten Schlägen anzulegen, ohne dass die Wertigkeit der Ackerflächen beeinträchtigt wird", erläutert Maas-Peitzmeier. So sollen "Lebensinseln" für Bodenbrüter, im speziellen Fall für Rebhühner, geschaffen werden.
Die Kräutereinsaat ist so zusammengestellt, dass eine Verunkrautung der Nachbarflächen nicht zu befürchten ist.
Wie eine Hauptfrucht
Für Hubertus Sprink ist es wichtig, seine Fläche nicht einfach sich selbst zu überlassen. "Man sieht, was dann passiert", erklärt er. "Solche Flächen entwickeln sich sehr lückig und bieten wenig Schutz für Vögel und Niederwild. Problemunkräuter wie Ackerfuchsschwanz können ungehindert aussamen und sich ausbreiten. Auch Kamille oder andere wenig schützenswerte Ackerkräuter machen sich breit. Solche Flächen sind auf Jahre für die landwirtschaftliche Nutzung verloren".Das Bayer-Projekt geht anders an die Sache heran. Zunächst behandelte Sprink seine Fläche einmal mit Glyphosat vor der Aussaat. Maas-Peitzmeier stellte eine spezielle mehrjährige Ansaatmischung zusammen, die ausschließlich in der Landwirtschaft übliche Arten enthält. Mischungspartner sind beispielsweise Zwischenfrüchte aller Art. Die Aussaatmenge betrug 35 Kilogramm je Hektar und wurde wie eine Hauptfrucht ausgesät.
Jagdaufseher Anton Maas hat die Entwicklung der Tierpopulationen fest im Blick.
Bei solchen Mischungen gehören die ersten beiden Jahre den blühenden Pflanzenarten wie Buchweizen, Phacelia, Inkarnatklee oder Gelbsenf. Ab dem dritten Jahr steigt dann der Grasanteil und bietet dem Wild einen besonders guten Schutz. Deshalb bestehen 20 Prozent der Mischung aus Rohrglanzgras.
Das Projekt auf diesem Standort ist auf fünf Jahre begrenzt. Danach wird Hubertus Sprink den Aufwuchs mähen und in den Boden einarbeiten.
Die Störmeder Landwirte und Jäger ziehen inzwischen in vielen Projekten an einem Strang.
Problemunkräuter haben auf den Flächen keine Chance, so dass einer normalen landwirtschaftlichen Nutzung ab dem 6. Jahr ohne Herbizid-Mehraufwand nichts im Wege steht.
Die Gemeinde Störmede ist wegen ihrer intensiven Naturschutzmaßnahmen inzwischen die einzige Gemeinde im Kreis Soest, die zur Rebhuhn-Förderkulisse Nordrhein-Westfalens gehört. Projekte, wie das Bayer-Engagement auf den Flächen von Hubertus Sprink, haben einen wesentlichen Anteil daran.