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Aktuelles / Tuesday, February 21, 2012

Gemeinsam für vitale Bienen

Die Biene ist eines unserer ältesten Nutztiere und ein unverzichtbarer Bestandteil des Naturhaushalts. Die allgemeine Gesundheit von Bienen, deren „Produktionsleistung“ sowie die Entwicklung von Bienenvölkern sind wichtige Indikatoren für den Zustand von Ökosystemen und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Neben ihrer ökologischen Bedeutung sind Bienen aber auch wirtschaftlich von hohem Wert, laut Expertenschätzung liegt der Nutzen der Bestäubungsleistung um das Zehnfache höher als der Wert aller Bienenprodukte wie Honig oder Wachs. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass der (volks)wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung für Deutschland jährlich rund zwei Milliarden Euro beträgt. Weltweit ist er mit zirka 150 Milliarden Euro beziffert (Quelle: Global Nature Fund; 2008).

Die Bestäubungsleistung der Honigbienen in landwirtschaftlichen Kulturen, vor allem im Obstbau, ist sehr hoch. Die Honigbiene nimmt den 3. Platz der wichtigsten Nutztiere hinter Rind und Schwein ein. Bienen können diese Leistungen jedoch nur erzielen, wenn ihnen eine ausreichende Nahrungsgrundlage zur Verfügung steht. In großem Umfang bedienen sie sich dabei der landwirtschaftlichen Kulturen,  z. B. während der Obst- und Rapsblüte. Das ist ein Segen für die Bauern. Ohne die Bestäubung der durch die  Imker bereitgestellten Bienen würden Landwirte beispielsweise 90 Prozent weniger Kirschen ernten, vier Bienenvölker je Hektar sind in der Lage, den Grundstock für einen Mehrertrag von einer Tonne Raps zu legen. Im Spätsommer leiden die Bienenvölker jedoch oft Mangel, da es an Bienenweiden fehlt. Hier kann der Landwirt einen wichtigen Beitrag zur Vitalisierung der Bienen leisten. Fazit: Landwirte brauchen Imker und Imker brauchen Landwirte.

Hauptfeind Varroamilbe

Auch das Unternehmen Bayer hat sich die Bienengesundheit auf seine Fahnen geschrieben und dafür ein ganzes Bündel geeigneter Maßnahmen geschnürt. Dazu zählt auch, dass seit Herbst 2010 Fred Klockgether als Berater für Bienengesundheit im Auftrag des Unternehmens unterwegs ist. Der langjährige Imker hat sich die Förderung von Hautflüglern, besonders der Honigbiene, zur Lebensaufgabe gemacht. Sein Ziel: Die „Apis vitalis“ (die vitale Biene).

"Das große Bienensterben der letzten Winter erregte in der Öffentlichkeit großes Aufsehen", meint dazu der engagierte Berater. Doch viele Probleme sind seiner Meinung nach hausgemacht. In diesem Winter (2011/2012)  werden schätzungsweise 50 Prozent aller deutschen Honigbienen sterben, das sind 500.000 Bienenvölker. Diese Völkerverluste sind auf eine falsche Varroa-Behandlung zurückzuführen. "Dabei stehen seit vielen Jahren bewährte und erfolgreich eingesetzte Mittel wie Perizin oder Bayvarol aus dem Hause Bayer zur Verfügung." Klockgether beurteilt den Einsatz von organischen Säuren zur Varroabekämpfung, die wegen ihrer "scheinbaren Natürlichkeit" die chemischen Produkte in den Imkereien praktisch ersetzt haben, dagegen sehr kritisch. "Der erfolgreiche Einsatz dieser Säuren hängt von vielen unwägbaren Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit oder Völkerstärke ab. Standardisierte Wirkungen und bundesweit einheitliche Einsatzempfehlungen gibt es nicht. Die unzureichenden Wirkungen dieser Säuren sind der Hauptgrund, dass sich die Varroamilbe, der Hauptfeind der Bienen, explosionsartig entwickeln konnte". Das belegt auch das Deutsche Bienenmonitoring (DEBIMO) nach mehrjähriger Erfassung in der Imkerpraxis. Eine Schlussfolgerung der Untersuchung lautet, dass die Varroamilbe in der Praxis nicht konsequent genug bekämpft wird.

Pollenversorgung gefährdet
Die mangelnde Pollenversorgung ist das zweite, schwerwiegende Problem, dem die Imker gegenüber stehen. "Die Pollenversorgung muss unbedingt verbessert werden", meint dazu Klockgether. Der Sozialverband der Bienen ist nämlich ein äußerst kompliziertes Geflecht, in dem alle Verhaltensweisen ineinandergreifen. Das bietet viele Angriffspunkte. Eine mangelnde Pollenversorgung hat deshalb dramatische Auswirkungen auf den gesamten Bienenstaat und seine Entwicklung.

Dazu muss man etwas zum Entwicklungszyklus der Bienenvölker erklären. Im Spätsommer, wenn die Äcker nach den Ernten leergefegt sind, setzen für die Bienen magere Zeiten ein. Das geringe Nahrungs-/Pollenangebot führt zu Eiweiß- und Vitaminmangel, den der Imker  durch Zufütterung nicht ausgleichen kann. Gerade in dieser Mangelphase aber werden die Winterbienen herangezogen, eine Bienengeneration, die vor allem eins benötigt - Ausdauer. Winterbienen müssen nämlich wesentlich länger durchhalten als ihre im Sommer lebenden Kolleginnen, die Sammelbienen. Sie werden bis zu fünf Monate alt und müssen in der nahrungsarmen Zeit die Königin füttern und warm halten sowie im Frühling die erste Brut versorgen, bis diese als Sammlerinnen ausschwärmen. Erst wenn die ersten Jungbienen selbst sammeln, haben die Winterbienen ihre Pflicht erfüllt. Dieses enorme Arbeitspensum schaffen nur gut gesättigte und vitale Winterbienen.

Blütenangebot zur rechten Zeit
Überraschenderweise ist der Anbau von beispielsweise bis spät in den Herbst hinein blühender Zwischenfrüchte nicht die Lösung des Problems. "Eine sehr späte Blüte wirkt auf Bienen wie ein zweiter Frühling", erläutert Klockgether. "Die Winterbienen werden nach draußen gelockt und sie entwickeln sich von Ammenbienen zu Flugbienen. Das hat die Natur so nicht vorgesehen. Später im Winter fehlt diesen Bienen dann die Kraft, ihre eigentlichen Aufgaben zu erfüllen. Somit ist die Entwicklung der neuen Brut gefährdet. Besser wäre es, wenn die Landwirte die Gründüngungsbestände nach Absprache mit der ortsansässigen Imkerschaft bereits zur Blüte mulchen."

Wichtiger ist für die Bienen ein ausreichend gedeckter Blütentisch zur rechten Zeit. Um diesem Ziel näher zu kommen, wurde im Rahmen der Internationalen Grünen Woche IGW ein neues Projekt mit dem Namen „EH da-Flächen", das auch von Bayer unterstützt wird, offiziell aus der Taufe gehoben. "EH da-Flächen " sind Flächen, die in der offenen Landschaft vorhanden sind, aber landwirtschaftlich nicht gezielt genutzt werden. Sie sind somit ‚eh da‘. Durch ökologisch sinnvolle Nutzung solcher meist nur mit Gras bewachsenen Flächen, wie sie z.B. entlang von Straßen, Wegen oder Bahndämmen bestehen, könnte die Vielfalt der Arten deutlich gefördert werden, ohne den Raum für die landwirtschaftliche Produktion einzuschränken. Neben Landwirten sind also schwerpunktmäßig Kommunen, die genau über diese Flächen verfügen, angesprochen.

Imker urteilen positiv
Auch Peter Maske, der Präsident des Deutschen Imkerbundes beurteilt diesen Ansatz positiv. Er erläuterte auf der IGW das Potenzial von "Eh da-Flächen" aus Sicht des Imkerbundes: „Eine Gestaltung, also Bepflanzung oder Ansaat dieser Flächen mit Bienen-Nährpflanzen wäre eine von vielen Möglichkeiten, das Nahrungsangebot für Blüten bestäubende Insekten zu erweitern. Ein vielfältiges Pollenangebot trägt zur Vitalität eines Honigbienenvolkes bei. Dies könnte die Bienenverluste reduzieren helfen und gleichzeitig ein Gewinn für die Biodiversität sein. Unabdingbar ist dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Imkern, Landwirtschaft, Kommunen sowie den Trägern öffentlicher Verkehrswege“.

Kommunen mit ins Boot holen
Mit dem Konzept der „Blühenden Wege“ will Bayer zukünftig verstärkt die Kommunen unterstützen. Mit sogenannten Musterkommunen laufen die ersten Projekte an. In den nächsten Jahren soll im Rahmen der Bundesgartenschau 2015 in Brandenburg der längste Blühstreifen Europas angelegt werden. Auch hier ist Bayer mit dabei.

"Man muss miteinander sprechen"
Fred Klockgether möchte in Zukunft eine intensivere Kommunikation zwischen den Beteiligten voranbringen. Er sieht hier noch großen Handlungsbedarf. "Zukünftig sollen beispielsweise Imker verstärkt zu den Bayer-Feldtagen eingeladen werden. Dort werden entsprechende Blühmischungen vorgestellt. Die Feldtage sind auch eine geeignete Plattform, wo Imker und Landwirte ins Gespräch kommen können. Wir müssen die Landwirte mehr für die Bienenhaltung interessieren, denn Bienen gehören eigentlich auf jeden Betrieb."

Bienenfleiß honorieren
In anderen Ländern wird der sprichwörtliche Bienenfleiß bereits weitaus aus besser honoriert. So können Imker in den Niederlanden und in Dänemark die Bestäubungsleistung ihrer Bienenvölker an Landwirte verkaufen. Auch Obstbauern in Deutschland bezahlen bereits eine Bestäubungsprämie. "Diese Regelung wäre auch für den Raps denkbar", meint Klockgether, der gleichzeitig an die Imker appelliert, mobiler zu werden. "Wir haben in Deutschland rund 86.000 Imker mit etwa einer Million Bienenvölker. Es sind aber meistens Freizeitimker mit festen Ständen. Eine Kostenbeteiligung, um die Wanderbereitschaft dieser Imker zu fördern, wäre denkbar."
 
Porträt
Fred Klockgether ist 50 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Söhne . Er ist in Aumühle bei Wildeshausen ansässig. Er hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Als Hobbyimker mit zunächst zehn Völkern hat er erste Erfahrungen in der Imkerei gesammelt. Seit dem 15.11.2010 ist er freiberuflich als Berater für Bienengesundheit im Bayer Bee Care Center tätig. Hier unterstützt er  Bayer CropScience und Bayer AnimalHealth in Deutschland, Österreich und der Schweiz . Darüber hinaus engagiert er sich ehrenamtlich in folgenden Verbänden und Institutionen:
Im Vorstand beim Landesverband der Imker Weser-Ems, Vorsitzender eines ortsansässigen Imkervereins, tätig in der Hautflüglerberatung, im Vorstand der Ameisenschutzwarte Landkreis Oldenburg, Bienensachverständiger.


Heute hält Fred Klockgether gemeinsam mit seiner Ehefrau 30 Bienenvölker. Der Honig wird im eigenen Honigshop vermarktet.

 

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