Das Getreidejahr 2011 hat verrückt gespielt. Norbert Mäser ist nicht darauf hereingefallen. Seine Silos sind voll und die Qualität stimmt.
Das Lohnunternehmen Mäser ist in der Region rund um Büdingen (Wetterau – Hessen) seit 20 Jahren eine feste Größe. Rinderspezialisten sind Kunden von Norbert Mäser, für einige große Betriebe hat er die Komplettbewirtschaftung übernommen. In den letzten Jahren sind auch die Betreiber von Biogasanlagen hinzu gekommen. Auf rund 2.000 Hektar erledigt er die Maisarbeiten, Ernte- und Silagekette komplett, etwa 1.000 Hektar davon sät er auch ein und erledigt Pflegearbeiten wie den Pflanzenschutz. Im Getreide hat er auf rund 500 Hektar eigenen und Kundenflächen die Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt. Weitere Tätigkeitsfelder sind die organische Düngung, die Grasernte auf rund 1.300 Hektar, die Grassilierung sowie die Zuckerrübensaat und Stroh pressen.
Entsprechend ist sein Maschinenpark ausgestattet. Zu den Schlüsselmaschinen zählen 12 Fendt-Schlepper zwischen 160 und 360 PS, vier Claas Häcksler (6-12 Reihen), sieben Claas-Mähdrescher (3,90 - 7,50 Meter Arbeitsbreite) und sechs Bergmann Häckselwagen (45 cbm). Hinzu kommen die gesamte Transportlogistik, die Sätechnik für Getreide, Rüben und Mais sowie die klassischen Bodenbearbeitungsgeräte inklusive Pflug und Gülletechnik.
Im Pflanzenschutz zu Hause
Neben einer modernen Amazone-Spritze bietet Norbert Mäser auch Pflanzenschutzberatung sowie den Einkauf der Produkte an. Zudem ist er in der Getreidevermarktung aktiv. Alle Partien, die er im Kundenauftrag erntet und vom Feld abtransportiert, landen zunächst in seinen eigenen Silos und werden nach der Aufbereitung von dort aus auf den Markt gebracht. Dafür steht eine Lagerungs- und Trocknungskapazität von 6.000 Tonnen zur Verfügung.
Dieses strategisch aufeinander abgestimmte Unternehmenskonzept ist sein Alleinstellungsmerkmal: Norbert Mäser ist Landwirt, Lohnunternehmer und Landhändler in einer Person. Landwirt Mäser nutzt seine eigenen 500 Hektar landwirtschaftliche Flächen gern und oft, um Praxiserfahrungen zu sammeln, neue Anbauerkenntnisse umzusetzen und auch Risiken einzugehen. Lohnunternehmer Mäser und dessen Kunden profitieren davon, denn seine Erfahrungen fließen in die Beratung der Kunden ein. Landhändler Mäser kümmert sich um den Bezug der Betriebsmittel und den Absatz der Ernteerzeugnisse zu guten Konditionen. Unterstützt wird er dabei von vier festangestellten Mitarbeitern, einem Auszubildenden und rund 30 Saisonarbeitskräften.
Überzeugungsarbeit leisten
Das liest sich einfacher, als es in der Praxis manchmal ist. "Wenn man mit etwas Neuem kommt, erntet man nicht automatisch Zuspruch, sondern stößt auch auf Skepsis". Norbert Mäser nimmt`s gelassen. In der verrückten Saison 2011 hatte das Ende des Tages gezeigt, dass es sich durchaus lohnt, neue Wege zu gehen und konsequent an der eigenen Überzeugung festzuhalten. "Der April und der Mai mit seiner Hitze hat den einen oder anderen dazu verleitet, die Pflanzenschutzmaßnahmen im vergangenen Jahr nicht konsequent zu Ende zu bringen", erläutert Mäser. "Die Abschlussbehandlung im Getreide schien nicht mehr erforderlich, im allgemeinen ging man von einer sehr frühen Ernte ohne gravierenden Krankheitsdruck aus."
Manchmal kommt es eben anders, als man denkt
Doch Norbert Mäser hatte sein Pflanzenschutzpaket fest geschnürt und alle geplanten Maßnahmen auch durchgeführt. Unter diesjährigen Bedingungen setzte er auf Sicherheit und behandelte seine Weizenflächen dreimal mit Fungiziden. Mit situationsangepassten Aufwandmengen setzte er im Stadium EC 32 Input Xpro ein, im EC Stadium 49 Aviator Duo Xpro und als Abschlussbehandlung im Stadium EC 63 noch einmal Prosaro ein.
Er folgte dabei der Empfehlung von Wolfgang Falkenstein, der von der Leistungsfähigkeit der neuen Xpro-Fungizidgeneration aus dem Hause Bayer CropScience hundertprozentig überzeugt ist. "In der Testphase im Jahr 2010 haben wir hervorragende Ergebnisse mit den neuen Fungiziden erzielt", erläuterte der Bayer-Vertriebsberater Region Süd. "Die Empfehlungen für die Saison 2011 standen damit auf einem sicheren Fundament."
Die guten Ergebnisse hatten sich schon angedeutet
Dies belegten auch Versuche mit Wintergerste (Sorte Anisette), die Bayer CropScience gemeinsam mit der Firma Claas in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt hatte. Auf dem Prüfstand standen Krankheitsentwicklung, Ertragsbildung und Druschverhalten. Die Ergebnisse zeigten, dass bei hoher Intensität die Standardvariante Input/Fandango (BBCH 37/39 und 61) gegenüber der Kontrolle bereits einen um 11,5 Prozent höheren Kornertrag erzielte. Die zweimalige Anwendung von Aviator Xpro (BBCH 37/39 und 61) brachte im Vergleich dazu einen Mehrertrag von 13,1 Prozent und die beste Versuchsvariante, sowohl in Bezug auf die Krankheitsbekämpfung, wie auch in der Ertragsleistung war mit + 14,7 Prozent die Spritzfolge mit Input Xpro (BBCH 32) und Aviator Xpro+Fandango (BBCH 51).
Die einmaligen Behandlungen mit Aviator Xpro fielen bedingt durch starkes Krankheits-auftreten (25 Prozent Netzflecken und 35 Prozent PLS-Flecken in der Kontrolle) etwas ab, wobei die frühe Behandlung mit 9,2 Prozent (BBCH 37/39) infolge der guten Dauerwirkung am besten abschnitt. Neben den Kornerträgen stiegen auch die Stroherträge deutlich an.
Die positiven Vitalitätseffekte der Xpro-Fungizide zeigten sich in einer insgesamt höheren Biomasseleistung/ha. Der Strohertrag erhöhte sich dabei gegenüber der Kontrolle um bis zu 18 Prozent, während die Gesamtbiomasse (Korn+Stroh) in den besten Varianten um bis zu 16,5 Prozent über der unbehandelten Kontrolle lagen. Dies ist nicht nur für viehhaltende Betriebe, sondern auch zur Ganzpflanzensilage (GPS) für Biogasanlagen wirtschaftlich interessant. Die bessere Pflanzenvitalität führte zu einer verlängerten Kornfüllungsphase, allerdings zu keiner negativen Beeinflussung des Ernteprozesses. Weder die Druschleistung noch der Kraftstoffverbrauch wurden durch den intensiven Fungizideinsatz negativ beeinflusst. Die Strohbeschaffenheit konnte anhand des ermittelten Strohdurchsatzes als gut eingestuft werden.
Sparen auf Verdacht bringt nichts
Norbert Mäser bestätigt gute Ergebnisse nun auch im Weizen. "Im Frühsommer war der Weizen wie tot", erinnert er sich. "In dem Moment, als es zu regnen begann, erholte er sich aber sehr schnell und war frei von Krankheiten." Zumindest für das vergangene Jahr gilt, dass die Vitalisierungseffekte, die durch die beiden ersten Spritzungen an die Bestände gegeben wurden, wichtiger waren als ihre fungizide Wirkung. "Wir können zwar kein Wasser herbeizaubern", meint Falkenstein, "aber wir können dazu beitragen, dass die Pflanzen auch unter Stressbedingungen lange vital bleiben."
"Mit der Abschlussbehandlung habe ich mich dann schon einiger Kritik ausgesetzt", erinnert sich Mäser. Viele Landwirte verzichteten darauf, weil sie hier eine Möglichkeit sahen, risikofrei Kosten einzusparen. Hinzu kommt, dass die Effektivität von Fungizidmaßnahmen in Getreide nicht so offensichtlich zu Tage treten wie beispielsweise bei der Unkrautbekämpfung im Mais. "Die Kunden lassen einem viel größere Freiheiten, wenn Ergebnisse sofort visuell auszumachen sind", weiß Mäser aus Erfahrung.
Für Mäser selber war die Abschlussbehandlung ein voller Erfolg. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte er bereits 65 Prozent seiner eigenen Weizenernte eingefahren. "Nicht ein Hektar lag im Ertrag unter 100 Dezitonnen. Und ich habe das gute Gefühl, dass sich bei den verbleibenden 35 Prozent am Ergebnis nichts ändern wird."
Die Sicherheit ist viel wert
In einem Extremjahr wie 2011 fallen die Erträge von vergleichbaren Flächen, die nur zweimal behandelt wurden, möglicherweise gar nicht so stark ab. Diese Erfahrung machten einige von Mäsers Kunden, die auf eine Abschlussbehandlung verzichtet hatten. So bestätigt Landwirte Andreas Müller tendenziell ebenfalls gute Erträge, an die Rekordmengen von Mäser kommen sie aber nicht ganz heran. "Beim Weizen haben wir im Durchschnitt 85 Dezitonnen je Hektar geerntet bei durchweg guten Qualitäten. Die Erträge schwanken je nach Standort zwischen 60 und 100 Dezitonnen". Auch Jan Koch ist zufrieden mit der Beratung seines Lohnunternehmers. Koch hat im Wachstumsstadium EC 32-34 in Gerste Aviator Xpro Duo gespritzt, dabei aber die Gabe gesplittet und Fandango in den Wachstumsstadien EC 49 und 59 gegeben. "Ich konnte 89 Dezitonnen Gerste vom Hektar holen. Ich bin sehr zufrieden". Beide Landwirte sind sich einig, dass Sie nicht am falschen Ende gespart haben und wollen im nächsten Jahr noch einen Schritt weitergehen und ohne Wenn und Aber der Beratungsempfehlung von Mäser folgen.
Stroh ist gut verkäuflich
Es kristallisiert sich heraus, dass selbst in Extremjahren die Dreifach-Behandlung zumindest kostenneutral bleibt, ein lohnender Einsatz für Sicherheit und Qualität. Zudem bewahrheitet es sich, dass ein hoher Körnerertrag immer auch mit einem guten Strohertrag verbunden ist. 2011 brachte das einen zusätzlichen Mehrwert, Stroh ließ sich sehr gut verkaufen. Auch in den bereits erwähnten Druschversuchen mit Claas konnte in Mecklenburg-Vorpommern in 2010 bei zweimaliger Behandlung mit Xpro-Fungiziden ein signifikanter Einfluss auf den Strohertrag und damit die gesamte Biomasse festgestellt werden. "Die anfängliche Befürchtung, das Stroh könne nicht rechtzeitig abreifen, hat sich nicht bestätigt. Sowohl Erntetermin wie Druschleistung wurden durch intensiven Fungizideinsatz nicht negativ beeinflusst", weiß Mäser.
Für den Lohnunternehmer Norbert Mäser hat die vorgestellte Pflanzenschutzstrategie auch arbeitswirtschaftliche Vorteile. "Nach einer dreimaligen Behandlung bedarf der Weizen keiner Aufmerksamkeit mehr. Das schafft viel Freiraum. Ich bin für meine Kunden wesentlich präsenter. Die Zeit, die ich einspare, kommt vor allem der Grasernte zugute. Die ist für mein Unternehmen ebenfalls ein wichtiges Standbein und die Landwirte verlangen eine Ernte „just in time".