Der Winterraps überstand die Eiseskälte einigermaßen, als um Ostern 2012 explosionsartig Grauschimmelfäule "Botrytis cinerea" die Pflanzen umzubrechen droht .
Vor Ostern drang die Hiobsbotschaft auch bis in den abgelegensten Landstrich vor: die Grauschimmelfäule durch den Pilz Botrytis cinerea (Langform: Botryotinia fuckeliana) geht um. In Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Franken, wo die Vegetation schon weiter ist als in Norddeutschland, sollen deswegen bereits Anfang April regionalweit ganze Winterrapsschläge umgebrochen worden sein. Norddeutsche Landwirte kontrollierten fluchs ihre Bestände und wurden hier und da spätestens nach Ostern, am 10. April 2012 fündig. Der luftbürtige und als Sklerotien an Pflanzenresten oder Wirtspflanzen überdauernde Pilz findet in der Frühlingszeit des Jahres 2012 nach Niederschlägen in Form von Dauersprühregen und Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius äußerst günstige Witterungsbedingungen für seine schnelle Vermehrung vor.
Botrytis-Befall nicht nur, aber vor allem in Winterraps mit starken Frostschäden
Die Befallsstärken liegen schlagweise zwischen ein bis 50 Prozent. Ein bisschen Botrytis ist jedes Jahr drin - da braucht kein Landwirtschaftsbetrieb in Panik geraten. Aber eine so extreme Botrytisdichte auf etlichen Äckern wie im Frühjahr 2012 hat es hierzulande wohl noch niemals gegeben. Extrem mit Grauschimmelfäule befallen sind sowohl Schläge mit Winterraps, der stark durch den Frost im Februar 2012 geschädigt worden war, als auch Bestände mit weniger abgefrorener Blattmasse. Diese abgestorbenen Blätter befiel der Pilzerreger zuerst, was sich in weißgraublauen Flecken widerspiegelte. Über die befallenen Blätter wuchs der Pilz weiter in die Stängel hinein, so dass sich bei feuchtkühlem Wetter nach Beginn des Längenwachstums am unteren Bereich des Haupttriebes eine bräunliche Verfärbung der Fäulnis - zunächst einseitig, später ggf. stängelumfassend - heraus bildet. Im Anfangsstadium des Grauschimmelbefalls am Pflanzenspross wirkt die bräunliche Seite eher holzig und wird sobald sie den Stängel umkreist hat weich und matschig. Die hell- bis rotbraunen Stellen an den unteren Rapsstängeln können wie zu Faulen beginnende Druckstellen an Äpfeln von grauweißem Pilzrasen, sogenannten Konidiosporen, umgeben sein. Gesund wirkende Rapspflanzen können innerhalb kürzester Zeit der sich rasch ausbreitenden Botrytis zum Opfer fallen; daher sind Aussagen zum Ausmaß der Pilzerkrankung im Winterraps 2012 noch zu früh, aber an die 300.000 Hektar könnten deutschlandweit bedroht sein.
Erste Anzeichen für Grauschimmelfäule: schief stehender Raps, graue Blattflecken
Auf dem Feld äußert sich Botrytis zunächst in der Schieflage der befallenen Pflanzen, da sie sich in die Richtung der befallenen Sprossseite neigen. Blätter beginnen zu welken und tragen stellenweise weißgraue bis beigefarbene Flecken. Die befallenen Pflanzen leiden unter Wachstumsdepressionen, denn der Fluss mit Nährlösung durch die Leitbahnen von der Wurzel zu den Blättern und den Knospen sind gestört bis gänzlich unterbrochen. Mit fortschreitender Ausbreitung des Pilzes knicken die Stängel schließlich ein, brechen durch und die Pflanzen fallen regelrecht um. Die Grauschimmelfäule Botrytis cinerea kann auch im weiteren Entwicklungsverlauf, insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit, in der Rapsblüte und als Schotenfäule nochmals auftreten. Sichtbare Anzeichen sind welke, vergilbte und umgeknickte Pflanzenteile und faulige Schoten mit weißgrauem Konidiosporenrasen.
Botrytis cinerea vorbeugen, da nicht heilbar!
Auf die Frage, was zu tun sei, sind selbst Experten nahezu ratlos, denn mit Grauschimmel infizierte Pflanzen sind nicht mehr zu retten. Es gilt, den noch gesunden Winterraps vor Botrytis zu schützen! Hierzu bieten sich Wachstumsregler, Blattdünger und Mikronährstoffe wie Bor an, die die Standfestigkeit und allgemeine Gesundheit der Pflanzen unterstützen. Gegen Botrytis zugelassene Fungizide sind gegenwärtig nicht vorhanden - eine fatale Lücke? Gegen andere Pilzkrankheiten zulässige Pflanzenschutzmittel in Raps zeigen Nebenwirkungen gegen Grauschimmelfäule. Anderweitiger Stress, etwa durch Rapsglanzkäfer und Kohltrieb- oder Rapsstängelrüssler sowie Unkräuter und -gräser sollte von den Winterrapsbeständen möglichst fern gehalten werden. Krankheitsdruck lässt sich darüber hinaus durch vielfältige Fruchtfolgen einschließlich Zwischenfrüchten, eingehaltene Mindest-Anbaupausen und eine begrenzte regionale Raps-Anbaukonzentration abbauen.
Quellen:
1. Krankheiten und Schädlinge in Winterraps - verschiedene Lexika
2. Feldbesichtigungen im östlichen Mecklenburg-Vorpommern nach Ostern 2012
3. Fachgespräche mit Beratern von Bayer Crop Sciences
Autorin: Gundula Klaemt, Originalartikel: http://www.suite101.de/news/nach-frost-nun-verluste-durch-botrytisgrauschimmel-in-winterraps-a133104, 11.04.2012