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Aus der Praxis

Pflanze / Tuesday, January 17, 2012

Wie sieht die Pflanzenschutzspritze der Zukunft aus?

Hohe Flächenleistung bei exakter Dosierung und umweltschonender Anwendung – diese und weitere Anforderungen soll die zukünftige Pflanzenschutztechnik noch besser als bislang erfüllen. Anlässlich eines Ackerbauforums in Düren beschrieb Harald Kramer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zukünftige Trends.

Mehr Flächenleistung
Weil die Betriebe wachsen und stärker miteinander kooperieren, geht der Trend zu Maschinen mit mehr Fassvolumen, größeren Arbeitsbreiten und höheren Fahrgeschwindigkeiten. Spritzen mit Tandemachse und mit mehr als zehn Kubikmeter fassenden Brühebehältern oder Selbstfahrer werden zunehmen. Die Gestängeführung wird aufwändiger: Abstandssensoren mit aktiver Steuerung und ausgefeilte Dämpfungssysteme ermöglichen ein höheres Arbeitstempo.

Höherer Arbeitskomfort
Durch technische Verbesserungen wird der Fahrer stärker entlastet, um konzentrierter arbeiten zu können. Dazu zählt die satellitengesteuerte Navigation, um Doppelbehandlungen zu vermeiden und Teilbreiten bzw. sogar Einzeldüsen getrennt voneinander zu schalten. Düsen erhalten LED-Beleuchtungen, um bei den häufigeren Nachtspritzungen Fehlfunktionen sichtbar zu machen. Computer berechnen den optimalen Nachfüllzeitpunkt, um unnötige Fahrwege zu vermeiden. Sie dosieren die Ausbringungsmenge so, dass am Feldende keine Restmengen übrig bleiben („Work-To-Zero“). Die verschiedenen Systeme für die Einzeldüsenüberwachung werden in Kürze marktreif sein. Hier wird der Fahrer sofort informiert, ob Düsen verstopft sind oder die falschen Mengen ausbringen. Steuerungscomputer geben Infos zur Tropfengröße. Statt mit pneumatischen Schaltern werden Mehrfachdüsenkörper mit schnellen elektrischen Lösungen bedient.

Abdrift vermeiden
Um Pflanzenschutzmittel auf die Zielfläche zu bekommen, lassen sich die Technikanbieter einiges einfallen. So können die Düsenabstände von 50 auf 25 Zentimeter reduziert werden. Die Düsen brauchen dann nur 30 Zentimeter Abstand zur Zielfläche. Damit verringert sich die Abdriftgefahr. Voraussetzung dafür sind ein ebener Acker und eine optimale Gestängeführung, sonst drohen Gestängeschäden, besonders bei bodennaher Arbeit wie zum Beispiel bei Herbizidanwendungen. Eine andere Möglichkeit ist die luftunterstützte Ausbringung. Gegenüber den jetzigen Lösungen müssen diese Geräte aber kompakter und einfacher sowie exakter zu steuern sein. Abdrift hängt immer auch von der Düsentechnik und Fahrgeschwindigkeit ab. Die bekannten Zusammenhänge gelten auch in Zukunft. Selbst die relativ neuen High-Speed Doppelflachstrahldüsen können keine Wunder vollbringen. Die Geschwindigkeit wird auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen über 14 Kilometer pro Stunde liegen.  

Sauberer arbeiten
Brüherestmengen in der Pflanzenschutzspritze können durch konische Leitungsquerschnitte verringert werden. Systeme zur kontinuierlichen Innenreinigung der Behälter nehmen zu. Sie sind deutlich schneller als das bisher häufig noch praktizierte absetzige Verfahren. Automatische Ventile machen auch dieses Verfahren komfortabler. Damit kann der Fahrer das Spülwasser vom Fahrersitz aus einfüllen ohne absteigen zu müssen. Erste Entwicklungen zur automatischen Außenreinigung des Spritzgestänges auf dem Acker zeigen, dass die Hersteller sich intensiv mit Umweltaspekten beschäftigen. Damit soll Punkteinträgen ins Wasser vorgebeugt werden.

Auf dem Wunschzettel  
Eine Direkteinspeisung von verschiedenen, unterschiedlich zu dosierenden Pflanzenschutzmitteln ist vorerst noch nicht in Sicht. Damit könnten die Mittel in Abhängigkeit vom Bedarf teilflächenspezifisch ausgebracht werden. Sensoren würden beispielsweise die Unkrautflora online erfassen und ein Rechner die optimale Mittelkombination bestimmen. Allerdings gibt es Ansätze, statt Direkteinspritzung mit zwei getrennten Flüssigkeitskreisläufen zu arbeiten. Ob der Aufwand lohnt, werden weitere Versuche zeigen.

Auch wenn die einen oder anderen Entwicklungstrends in den nächsten Jahren doch nicht praxisreif oder sogar ganz verworfen werden sollten, so wird die Pflanzenschutzspritze immer mehr zum High tech-Gerät. Die Verbesserungen sind allerdings nicht zum Nulltarif zu bekommen.

 

Bildquelle. Amazone-Werke

 

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