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Im Weizenanbau schlummern noch Reserven

Pflanzenschutzspritze
24 Feb 2016
Pflanzenschutzspritze
Landwirten gelingt es nur schwer oder gar nicht, das genetisch fixierte Potenzial beim Weizenertrag auszuschöpfen. Deshalb starteten der Pflanzenschutzmittelhersteller Bayer und der Düngemittelspezialist Yara im Jahr 2014 in England und Deutschland die Weizen-Ertrags-Initiative (Wheat Yield Initiative). Sie ging mit der Aussaat Herbst 2015 in die zweite Runde.
Beide Unternehmen stellten moderne, teils völlig neue Prognose- und Analyse-Tools für die Bestandsführung zur Verfügung. Die Versuche liefen an vier Standorten in Norddeutschland. Die Küstennähe begünstigte eine langsame Abreife und stellte die ausreichende Kühlung der Bestände, die Taubildung und eine lange Sonneneinstrahldauer sicher.

Gemeinsam mit den Betriebsleitern wurden die Anbaustrategien festgelegt. Die fachliche Betreuung übernahmen Yara- und Bayer-Mitarbeiter vor Ort. Die praktischen Arbeiten übernahmen die Landwirte selbst. Alle Maßnahmen wurden lückenlos dokumentiert.

Für das Düngemonitoring setzte Yara seinen N-Tester, für die Ausbringung den N-Sensor ein, auf zwei Standorten kam der so genannte Field Doc zum Einsatz, mit dem sich online die Entwicklung der Biomasse beobachten lässt. Mit diesem Gerät wird anhand der Biomasseproduktion das Ertragspotenzial des Bestandes prognostiziert. Bayer arbeitete mit seinen unternehmenseigenen Servicetools und dem Proplant-Prognosemodell, über das die Infektionswahrscheinlichkeiten relevanter Krankheiten erfasst werden. Vor Ort installierte Wetterstationen stellten die notwendigen Daten zur Verfügung.

„Bei der Bemessung der Düngergaben ging es vorrangig darum, die Effizienz der Maßnahmen durch gezieltere und auf den aktuellen Bedarf angepasste Düngergaben zu verbessern,“ sagt Jens Grube, Fachberater bei der Firma Yara. „Dass dieses Ziel erreicht wurde, spiegelte sich beispielsweise in den hohen Rohprotein-Gehalten im Vergleich zu den Betriebsvarianten wider.“

Die Pflanzenschutzmaßnahmen waren so angelegt, die Bestände von Beginn an vor einem Konkurrenzdruck durch Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten bestmöglich zu schützen. „Als Standardmaßnahme hat sich die Vorauflaufanwendung von Herbiziden bewährt“, fasst Dr. Manfred Rambow, Beratungsmanager von Bayer, zusammen. „Wo dies erforderlich war, folgten im Frühjahr Behandlungen speziell gegen Ackerfuchsschwanz.“ Ebenfalls im Herbst wurde auf alle Standorten gegen virusübertragende Läuse behandelt, eine Maßnahme die auf Grund der milden Witterung im Spätherbst hoch wirtschaftlich war. „Bei der Fungizidwahl haben wir immer auch deren ertragsphysiologischen Effekte beachtet“, so Rambow weiter. Die milde Witterung im Herbst 2014 und während des Winters hatte zur Folge, dass die Bestände schon früh stark infiziert waren mit Septoria tritici, Mehltau und Halmbruchkrankheiten. Dem wurde durch eine zeitige Fungizidmaßnahme im Frühjahr Rechnung getragen. Entsprechend dem weiteren Befallsgeschehen folgen noch weitere drei bzw. vier gezielte Fungizidmaßnahmen.

Am Ende einer intensiven Vegetationsphase, die berechtigte Hoffnung auf gute bis sehr gute Erträge machte, wurden die Bestände auf zwei Standorten wegen starker Unwetter im Juli sozusagen auf den letzten Metern flachgelegt. Auch war 2015 ein Jahr mit unterdurchschnittlicher Einstrahlung, somit fehlte ein wesentliches Kriterium für besonders hohe Erträge. Ein Umstand, der übrigens auf ganz Deutschland zutraf. Dennoch zeigten die getroffenen Maßnahmen deutliche positive Wirkungen, dies vor allem im Vergleich mit den Referenzflächen auf den Betrieben. Auf einem Standort wurden fast drei Tonnen je Hektar mehr geerntet. Der Mehraufwand war hochwirtschaftlich. Auf zwei Standorten wurde ebenfalls mehr Weizen geerntet, Mehrerlös und Mehraufwand hielten sich jedoch die Waage. Bemerkenswert ist auch, dass auf drei Standorten die Düngebilanz in Bezug Stickstoff sehr günstig ist und eine hohe Stickstoffeffizienz erreicht wurde. Sicherlich eine Folge der geänderten Düngerstrategie.

Was bleibt unterm Strich?
Die beteiligten Landwirte äußerten sich positiv. Sie haben weitere Ansatzpunkte erkannt, das Ertragspotenzial noch besser auszuschöpfen. Das sind unter anderen höhere Bestandesdichten und die darauf abgestimmte N-Düngung. Außerdem sollen die ertragsphysiologischen Effekte der Fungizide noch gezielter genutzt werden. „Wie die Vergleiche zu den Betriebsstandards zeigen, haben wir im ersten Jahr schon einiges erreicht. Gleichzeitig haben alle auch viel gelernt und jede Menge Anregungen erhalten“, erläutert Dr. Manfred Rambow. „Deshalb führen wir den Vergleich fort, die bevorstehende Saison wird uns wieder ein Stück weiterbringen.“
Autoren: Hans-Peter Naunheim, Bayer CropScience und Dr. Ulrich Ortseifen, Yara