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"Da will ich mal arbeiten"

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01 Aug 2017
Schon als Schüler konnte Jochen Schneider von seinem Kölner Zuhause das erleuchtete Bayer-Kreuz in Leverkusen auf der anderen Rheinseite sehen. Und er wusste: "Da will ich mal arbeiten." Genau das tut er seit 1999 auch, allerdings nicht in Leverkusen. Seine ersten Bayer-Jahre verbrachte der promovierte Chemiker im Labor in Monheim. 2004 wechselte er zu den Kollegen, die sich um die Registrierung von Pflanzenschutzmitteln kümmern. Seit 2010 leitet er für Bayer CropScience Deutschland die Registrierung.
Eine Strafversetzung, die keine ist

"Was, du willst in die Registrierung? Das ist ja wie eine Strafversetzung." Seine Kollegen aus der Formulierungstechnologie reagierten verstört, als Dr. Jochen Schneider im Jahr 2004 ankündigte, die Abteilung zu wechseln. Die spannende Laborarbeit gegen formale Bürokratie und rechtliches Klein-Klein zu tauschen - das leuchtete den Naturwissenschaftlern nicht ein.
Doch für Jochen Schneider war es keine Strafversetzung. Der Chemiker hatte sich das gut überlegt, ehe er einwilligte. Ihm gefiel die Aussicht, aus der fachlichen Nische herauszutreten und mit vielen unterschiedlichen Unternehmensbereichen zusammenarbeiten zu können. Angeboten hatte man ihm die Stelle, weil er sich neben seiner chemisch-analytischen Arbeit auch in der Projektarbeit bewährt hatte.
Ein Know-how, das in der Registrierung ebenfalls gefragt war. Und daher schließlich auch der Grund, warum man Schneider eines Tages fragte, ob er nicht dorthin wechseln wolle. Er wollte. Bis 2010 war er zunächst in der globalen Zulassungsabteilung in Monheim. Dann ging er zu Bayer CropScience Deutschland nach Langenfeld - und leitet seither die nationale Registrierung mit einem Dutzend Mitarbeitern.

Behördenvorgaben sind nicht immer eindeutig

Wann immer Bayer ein neues Produkt für die deutsche Landwirtschaft oder für professionelle Gärtner registrieren lassen will, kümmert sich Schneiders Abteilung darum. Als Bereichsleiter hat er selbst nur in Ausnahmefällen mit dem Zulassungsprozess zu tun. "Ich bin mehr für den organisatorischen Rahmen zuständig", so Schneider. Und dabei ist er auch derjenige, der sich mit veränderten Regularien befassen muss, die es behördlicherseits immer wieder gibt - und die das Unternehmen dann berücksichtigen muss. Neue Verordnungen oder neue Definitionen etwa.
Oft seien solche Änderungen oder Vorgaben aber gar nicht so eindeutig, wie es wünschenswert wäre. Beispiel Bienentoxizität. "EU-weit wird derzeit an einer neuen Leitlinie zur Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln auf Bienen gearbeitet", erklärt Schneider. "Die enthält konkrete Forderungen zur Verträglichkeit neuer Substanzen bei Hummeln, Wild- und Honigbienen." Soweit, so gut. Doch wer den Vorgaben gerecht werden wolle, benötige gemäß Vorschrift, so Schneider, allein für den Nachweis der Honigbienenverträglichkeit eine Versuchsfläche fast doppelt so groß wie die Stadt Frankfurt am Main. Für ein einziges Produkt, wohlgemerkt. Bei Hummeln und Wildbienen tue sich ein anderes Problem auf. "Auch dort gibt es die Forderung der Verträglichkeit, aber überhaupt noch kein abgestimmtes Studiendesign."

Der Experte fügt hinzu, dass es viele weitere Beispiele gibt, wo die praktische Ausgestaltung den allgemeinen Forderungen hinterherhinke. So fehle etwa bis heute eine klare Definition, was eigentlich "vernachlässigbare Exposition" genau bedeute, wenn es sich um Substanzen mit gesundheitsschädlichem Potenzial handelt.
Trotz derartiger Unklarheiten müssen Schneider und sein Team geeignete Untersuchungsdaten einreichen, wenn sie die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels beantragen. Die Prüfung erfolgt dann durch vier Behörden: das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das Julius Kühn-Institut, das Bundesamt für Risikobewertung und das Umweltbundesamt.

bayer cropscience, zulassung, registrierung, pflanzenschutz, pflanzenschutzmittel, landwirtschaft, agrarwirtschaft, pflanzenDr. Jochen Schneider, Leiter Registrierung Bayer CropScience Deutschland: "Die praktische Ausgestaltung der Forderungen ist teilweise nicht umsetzbar - und verzögert so unsere Zulassungsverfahren"
Wegen der Komplexität der zu prüfenden Unterlagen, aber vor allem auch wegen der Vielzahl der beteiligten Behörden und deren Überlastung dauere dieser Prozess leider immer länger, so Schneider: "Eigentlich gibt es die Vorgabe, so einen Antrag binnen eines Jahres abschließend zu bewerten. Inzwischen kommt es vor, dass sich das Ganze vier Jahre lang hinzieht." Damit erhalten nicht nur die deutschen Landwirte erst viel später Zugang zu Innovationen. Auch für das Unternehmen ist es ärgerlich, wenn etwa die Laufzeit für den Patentschutz eines neuen Wirkstoffs verstreicht, bevor es damit die Kosten für Forschung und Entwicklung wieder erwirtschaften kann.

Manchmal knallen die Korken

Es liegt auf der Hand, dass derlei Widrigkeiten nicht jeden Tag für gute Laune sorgen. Dennoch betont Jochen Schneider, dass ihm die Aufgabe nach wie vor insgesamt viel Spaß mache. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die enge Zusammenarbeit mit seinem Team. Ebenso die vielfältigen Diskussionen, die er mit Fachexperten über interessante Problemstellungen wie etwa Toxikologie- oder Umweltschutzfragen führt. Hinzu kommen Reisen, etwa zu Verbänden und Behörden im Land. Mal einen Vortrag vor Gemüsebauern halten, mal für einen Tag zum Umweltbundesamt nach Dessau fahren, um dort etwas von Angesicht zu Angesicht zu klären - das seien Termine, die seinen Arbeitsalltag abwechslungsreich machten, so Schneider.
Und manchmal knallen sogar die Korken. Dann, wenn die Zulassung eines neuen Produkts gelungen ist. Und obwohl an dessen Entwicklung unzählige Mitarbeiter im ganzen Unternehmen beteiligt waren, so sind es doch häufig die Kollegen in der Registrierung, die dann zuerst anstoßen. Schneider räumt aber ein, dass diese Situation zuletzt seltener geworden sei. Der Weg zur erfolgreichen Neuzulassung werde eben aus vielerlei Gründen immer steiniger.

Nachwuchs mit Faible für Landwirtschaft

Jochen Schneider ist Vater zweier Kinder. Dass seine Tochter und sein Sohn schon im Alter von acht beziehungsweise zehn Jahren sehr genau wissen, wie ein Kuheuter oder ein Rebstock aussehen, liegt auch an den Urlauben. Die verbringt die vierköpfige Familie nämlich alljährlich im Frühjahr bei einem Winzer und im Herbst auf einem Bauernhof. Für seinen Sohn ist es dann völlig selbstverständlich, um sechs Uhr aufzusehen und beim Melken zu helfen. Als am Ende der vierten Klasse ein Buch herumging, in dem alle ihren Berufswunsch eintragen sollten, notierte er nicht etwa Lokführer oder Astronaut, sondern: Winzer. Durchaus ungewöhnlich für ein Kölner Schulkind.
Vater Jochen muss darüber schmunzeln. Er selbst hatte in dem Alter die Vision einer Gärtner-Laufbahn, obwohl auch er in der Großstadt aufwuchs. "Das lag wohl am Schrebergarten meiner Eltern, mit all dem Obst, den Möhren und den Bohnen", sinniert er. Doch etwas anderes kam dazwischen. Denn vom Haus seiner Eltern im Kölner Norden fiel der Blick auf das große erleuchtete Bayer-Kreuz auf der anderen Rheinseite. "Das war eigentlich schon immer die Firma, zu der ich mal wollte", gibt Jochen Schneider zu. Und da passte das Chemiestudium dann doch besser als die Gärtnerlehre. Immerhin: Einen kleinen Garten hinter dem Haus bestellt der promovierte Chemiker auch heute noch. Und das durchaus erfolgreich, wie die Tomaten und Kürbisse beweisen.
Wenn Jochen Schneider mal etwas zur Ruhe kommt, greift er gerne zur Kamera. Dabei legt er großen Wert auf die anschließende digitale Entwicklung der Bilder. Jedes einzelne Foto nimmt er daher eigens im sogenannten Rohdatenformat auf, einem "digitalen Negativ". Das lässt ihm später die meisten Freiheiten. Und so kann der Kölner am Bildschirm Einfluss auf die Qualität der Bilder nehmen wie andere früher in der Dunkelkammer. Seine Motive findet Schneider vor allem auf Reisen und natürlich in der Familie. Eines der Fotos in seinem Büro zeigt Tokio bei Nacht. Ein anderes die Nahaufnahme einer Tulpe. Da kommt dann schon fast wieder der Gärtner in ihm durch. Zusammen mit den großen Grünpflanzen in seinem Büro sorgen die Bilder für eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Nein, eine Strafversetzung sieht wirklich anders aus.
Wichtiger Hinweis für Pflanzenschutzmittel und Biozide
Für Pflanzenschutzmittel: „Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen“
Für Biozide: „Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.“