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Aber ab wann rechnet sich ein effizienterer Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln?

Wheat Yield Initiative 2107
06 Apr 2017

Die Weizenertragsinitative von Bayer und Yara 2017

Winterweizen ist in Deutschland mit einer Anbaufläche von ca. 3,2 Mio. Hektar die bedeutendste Marktfrucht. Der Weizenertrag steigt nur sehr langsam bzw. stagniert seit Jahren. Landwirten gelingt es nicht, das genetisch fixierte Potenzial auszuschöpfen.

Vor diesem Hintergrund starteten der Pflanzenschutzmittelhersteller Bayer und der Düngemittelspezialist Yara im Jahr 2014 die Wheat Yield Initiative, zu deutsch: Weizen-Ertrags-Initiative. Dabei soll ausgelotet werden, wie unter den jeweiligen Standortbedingungen die Erträge gesteigert und damit die Ertragspotenziale besser ausgeschöpft werden können. Die Initiative wird zunächst in Deutschland und Großbritannien durchgeführt.
Beide Unternehmen stellten moderne, teils völlig neue Prognose- und Analyse-Tools für die Bestandsführung zur Verfügung. Die Versuche in Deutschland liefen in der Saison 2014/2015 an vier Standorten in Norddeutschland, die man aufgrund der Niederschläge, der Strahlungsintensität, sowie des Temperaturverlaufs als Gunststandorte bezeichnen kann. Es waren dies:
1. Standort Schlemmin (Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern)
2. Standort Fehmarn in Schleswig-Holstein
3. Gelting an der Flensburger Förde, ebenfalls Schleswig-Holstein
4. Neuenkirchen bei Heide an der Westküste Schleswig-Holsteins.

Allen Standorten gemeinsam ist die Küstennähe mit den günstigen Bedingungen wie einer langsamen Abreife, ausreichender Kühlung der Bestände in der Nacht, Taubildung und langer Sonneneinstrahldauer.

Start in die erste Saison 2014/2015
Der überwiegende Teil der Flächen wurde vor der Weizenaussaat gepflügt, ausgenommen einer Teilfläche in Schlemmin, auf dem üblicherweise eine pfluglose Bearbeitung erfolgt. Als Vorfrucht stand auf den Standorten Winterraps, in Neuenkirchen war die Vorfrucht Hafer mit der Vorvorfrucht Kohl. Auf drei Standorten wurde die Sorte Elixer angebaut, auf Fehmarn die Sorte Tobak.

Gemeinsam mit den Betriebsleitern wurden die Anbaustrategien festgelegt. Die fachliche Betreuung übernahmen Yara- und Bayer-Mitarbeiter vor Ort, die die praktischen Arbeiten die Landwirte selbst. „Die anspruchsvolle Aufgabe lag darin, an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen, um ein neues Optimum erreichen zu können.“, sagt dazu Jens Grube, Fachberater bei der Firma Yara. „Und dabei gleichzeitig die optimal ernährten Pflanzen in einem gesunden, leistungsstarken Zustand zu erhalten, damit Sonnenenergie in Ertrag umgesetzt werden kann“, ergänzt Dr. Manfred Rambow, Beratungsmanager von Bayer. Das Besondere war auch die lückenlose und engmaschige Erfassung des Wachstumsverlaufs auf den Flächen und dessen Berücksichtigung bei der Ableitung von Pflanzenschutz- und Düngungsempfehlungen.

Für das Düngemonitoring setzte Yara seinen N-Tester, für die Ausbringung den N-Sensor ein, zudem kam der so genannte Field Doc zum Einsatz, mit dem sich online die Entwicklung der Biomasse beobachten lässt. Mit diesem Gerät wird anhand der Biomasseproduktion das Ertragspotenzial des Bestandes prognostiziert. Bayer arbeitete mit seinen unternehmenseigenen Servicetools und dem Proplant-Prognosemodell, über das die Infektionswahrscheinlichkeiten relevanter Krankheiten erfasst werden. Vor Ort installierte Wetterstationen stellten die notwendigen Daten zur Verfügung.

„Bei der Bemessung der Düngergaben ging es vorrangig darum, die Effizienz der Maßnahmen durch gezieltere und auf den aktuellen Bedarf angepasste Düngeplatzierungen zu verbessern,“ sagt Jens Grube. „Dass dieses Ziel erreicht wurde, spiegelte sich beispielsweise in den hohen Rohprotein-Gehalten (Ernte 2015) im Vergleich zu den Betriebsvarianten wider.“

Für einen breiten Schutz gegen Auflaufkrankheiten wurde mit EfA 160 ml/dt angebeizt. Um auf Hochertragsstandorten in einer dichten Getreidefruchtfolge gegen Schwarzbeinigkeit zu schützen, wurde mit Latitude 200 ml/dt ergänzt. Zur besseren Versorgung mit Micro-Nähstoffen in der Auflaufphase wurde zusätzlich Mobil 200 ml/dt auf das Korn gebracht (B, Cu, Mn, Mo, Zn).
Die Pflanzenschutzmaßnahmen waren so angelegt, die Bestände von Beginn an vor einem Konkurrenzdruck durch Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten bestmöglich zu schützen. „Als Standardmaßnahme hat sich die Vorauflaufanwendung von Herbiziden bewährt“, fasst Dr. Manfred Rambow zusammen. „Wo dies erforderlich war, folgten im Frühjahr Behandlungen speziell gegen Ackerfuchsschwanz mit Atlantis WG“. Ebenfalls im Herbst wurde auf alle Standorten gegen virusübertragende Läuse behandelt, eine Maßnahme die auf Grund der milden Witterung im Spätherbst hoch wirtschaftlich war. „Bei der Fungizidwahl haben wir immer auch deren ertragsphysiologischen Effekte beachtet“, so Rambow weiter. Die milde Witterung im Herbst 2014 und während des Winters hatte zur Folge, dass die Bestände schon früh stark infiziert waren mit Septoria tritici, Mehltau und Halmbruchkrankheiten. Dem wurde durch eine zeitige Fungizidmaßnahme im Frühjahr Rechnung getragen. Entsprechend dem weiteren Befallsgeschehen folgen noch weitere drei (auf Fehmarn und in Neuenkirchen noch vier) gezielte Fungizidmaßnahmen.

Am Ende einer intensiven Vegetationsphase, die berechtigte Hoffnung auf gute bis sehr gute Erträge machte, wurden die Bestände auf den Standorten Gelting und Neuenkirchen wegen starker Unwetter im Juli sozusagen auf den letzten Metern flachgelegt. Schwere Niederschläge und heftige Stürme drückten das Getreide ins Lager.

„2015 war ein recht ausgeglichenes Jahr, was Niederschlagsverteilung und Temperaturen betraf. Die Sonnenstrahlung in den Monaten Juni und Juli lag leicht über dem langjährigen Mittel“ so Jens Grube. Es zeigte sich, dass die getroffenen Maßnahmen deutlich positive Wirkungen zeigten, dies v.a. im Vergleich zu Referenzflächen in den Betrieben.

Auf einem Standort wurden fast 3 t/ha mehr geerntet. Der Mehraufwand war hochwirtschaftlich. Auf zwei Standorten wurde ebenfalls mehr Weizen geerntet, Mehrerlös und Mehraufwand hielten sich jedoch die Waage. Lediglich am Standort an der Westküste fiel bezüglich der Wirtschaftlichkeit ab. Grund hierfür war hier v.a. in dem extremen Lager wenige Wochen vor der Ernte. Bemerkenswert ist auch, dass auf drei Standorten die Düngebilanz in Bezug Stickstoff sehr günstig ist und eine hohe Stickstoffeffizienz erreicht wurde. Sicherlich eine Folge der geänderten Düngerstrategie.

Die zweite Saison
In der Saison 2015/2016 erfolgten zwei Standortveränderungen. Neuenkirchen fiel weg, Seestermühe (Schleswig-Holstein Elbmarsch nördlich Hamburg) und Groß Bäbelin (Mecklenburg-Vorpommern) wurden in die Versuchsreihe aufgenommen. Zur Aussaat kamen die Sorten Reform, Euclide und Elixer. Im Überblick verlief das Jahr wie folgt: Bis Mitte/Ende September regnete es stark, erst danach gab es gute Bestellmöglichkeiten, damit waren die Voraussetzungen für hohe Erträge schon mal alles andere als günstig. Die Monate Oktober/November zeichneten sich durch Abwechslung von Kälte und Wärme, sowie Nässe und Trockenphasen aus, also auch nicht optimal für die Pflanzen. Es gab kaum Blattlausflug und Virosen spielten keine Rolle. Jedoch kam es über Silvester zu einem massiven Temperatursturz, der massive Umbrüche in einigen Regionen nach sich zog. Zum Vegetationsbeginn waren die Böden dann entsprechend kalt und wassergesättigt, was sich negativ auf das Wachstum durchschlug. An den Pflanzen waren starke Verbräunungen am Halmgrund sowie starker Ausgangsbefall mit Septoria tritici festzustellen und die Wurzeln wuchsen nicht in den Unterboden. Erst Mitte Mai wurde es wärmer und es fiel endlich Regen, in Mecklenburg-Vorpommern wurde es sogar Juni. Daher entwickelten sich zunächst die Krankheiten kaum weiter, im Laufe der Saison wurde Septoria tritici wieder dominierende Krankheit in Schleswig-Holstein. Auch Blattläuse und Tripse traten kurzzeitig massiv auf. Insgesamt konnten nur unterdurchschnittliche Sonnenscheindauer und Strahlungswerte gemessen werden. 

Die Erfahrungen
Auf Hochertragsstandorten ist bei starkem Ausgangsbefall frühzeitig zu handeln, um das Inokolum an pilzlichen Erregern von Beginn an niedrig zu halten.
Das verschafft Handlungsspielräume für die Folgemaßnahmen (T2 und T3)
Auf Hochertragsstandorten ist eine 3 (-4) fache Fungizidbehandlung in der Regel sinnvoll
Die Abschlussbehandlung ist mit leistungsstarken Fungiziden und vollen Aufwandmengen durchzuführen
Prognose-Modelle helfen bei der Terminierung der Maßnahmen (Infektionen und Dauer der Kurativ-/Protektiv-Leistung der Fungizide)

Die Erträge blieben im Sommer 2016 unter denen des vorangegangenen Jahres und spiegeln damit auch die witterungsbedingten Probleme in der Praxis wieder.

Was bleibt unterm Strich?
„Die Ergebnisse zeigen, dass eine Verbesserung der Produktivität möglich ist, wenn Düngung, Pflanzenschutz sowie andere Anbaumaßnahmen noch besser aufeinander abgestimmt werden“, urteilt Jens Grube nach den Ertragsauswertungen. Die beteiligten Landwirte äußerten sich ebenfalls positiv über die Initiative. Sie haben weitere Ansatzpunkte erkannt, das Ertragspotenzial noch besser auszuschöpfen. Eine integrierte, auf das Bedürfnis der Pflanze abgestimmte Ernährung und Gesunderhaltung ist Voraussetzung für eine möglichst gute Ausschöpfung des Ertragspotenzial. Das sind unter anderen höhere Bestandesdichten und die darauf abgestimmte N-Düngung. Außerdem soll bei der Fungizidstrategie neben der Bekämpfung der Krankheiten auch die ertragsphysiologischen Effekte der Fungizide noch gezielter genutzt werden. Patentrezepte gibt es nicht – auch das ist eine wichtige Erkenntnis. „Wie die Vergleiche zu den Betriebsstandards zeigen, haben wir einiges erreicht. Gleichzeitig haben alle auch viel gelernt und jede Menge Anregungen erhalten“, erläutert Dr. Manfred Rambow. „Unter anderem auch, dass das Wetter “mit helfen“ muss, um Höchsterträge ernten zu können. Um weitere Erfahrungen sammeln, haben wir die Wheat Yield Initiative auf die Saison 2016/2017 ausgeweitet.“