Produkte

Wie funktionieren Herbizide - was sind Wirkstoffklassen?

Herbizide sind ein wichtiger Bestandteil des modernen Ackerbaus. Sie kontrollieren Unkräuter und Ungräser, die mit den Kulturpflanzen im Wettbewerb um die Standortfaktoren Boden, Wasser, Licht stehen, und sichern damit Erträge.

Man unterscheidet selektive und nicht selektive Herbizide. Selektive Herbizide sind in den zugelassenen Kulturen verträglich, während Unkräuter oder Ungräser bekämpft werden.

Herbizide greifen in den Stoffwechsel von Pflanzen ein, indem sie die für die Pflanze lebenswichtigen Prozesse blockieren.

Wirkstoffe, die an den gleichen Stoffwechselprozessen angreifen, werden in die gleichen Wirkstoffklassen -man spricht auch von HRAC*-Gruppen - eingeteilt.

In Hinblick auf Resistenzen sind vor allem Wirkstoffe gefährdet, die sehr spezifisch wirken und nur an einer Stelle im Stoffwechsel der Pflanzen angreifen. Hierzu zählen vor allem Wirkstoffe aus der HRAC-Gruppe A und B.

Demgegenüber sind Wirkstoffe, die weniger spezifisch wirken bzw. an mehreren Stellen im Stoffwechsel ansetzen, deutlich weniger resistenzgefährdet. Hierzu zählen u.a. Wirkstoffe aus den HRAC-Gruppen K und F. Besonders hervorzuheben sind die Wirkstoffe Flufenacet, Flurtamone und Diflufenican.

Hier erhalten Sie einen Überblick zu allen Wirkstoffen als PDF-Datei.



Nachfolgend eine Kurzbeschreibung der bekannten HRAC-Gruppen und ihrer Wirkungsweisen:

HRAC Gruppe A – ACCase Hemmer: Wirkstoffe wirken auf die Lipidsynthese innerhalb der Zelle. Sie verhindern den Aufbau der Zellmembran. Je nach Wirkort am Enzym ACCase-Synthetase unterscheidet man Wirkstoffe aus der Gruppe der Fops, Dims und Dens.

HRAC Gruppe B – ALS Hemmer: ALS-Hemmer wirken auf die Synthese von Aminosäuren in den Chloroplasten. Wichtige Enzyme der ALS-Synthetase werden gehemmt, die zur Bildung Aminosäuren und damit Proteinen benötigt werden. Je nach Angriffspunkt im Stoffwechselprozeß unterscheidet man Sulfonylharnstoff-Derivate,

HRAC Gruppe C– Photosynthese Hemmer: Die Herbizide der HRAC Gruppe C greifen in den Photosynthese-Prozess ein. Sie blockieren den Elektronentransport und fördern dadurch die Anreicherung von Vorprodukten der Photosynthese, die zu hoher Konzentration toxisch auf die Pflanze wirken. In Abhängigkeit von der Angriffstelle der Wirkstoffe beim Elektronentransport unterteilt man diese HRAC-Gruppe in C1, C2 und C3.

HRAC Gruppe E – PPO-Hemmer: Hemmung der Protoporyphyrinogen-Oxidase. Dies ist ein Enzym im Chloroplasten, das für die Bildung von Chlorophyll und Hämoglobin verantwortlich ist. Dessen Hemmung führt zur Anreicherung von Sauerstoffradikalen in der pflanzlichen Zelle. Diese Radikale greifen die Zellmembran an und lösen diese auf. Die Folge sind Flüssigkeits- fehlende Chlorophyllbildung.

HRAC-Gruppe F – Karotinoid-Biosynthese-Hemmer: Wirkstoffe dieser Gruppe verhindern die Bildung von Karotinoiden, die Sauerstoffradikale in den Chloroplasten abbauen. Unterbleibt dieser Abbau wird das Chlorophyll der Zellen nicht mehr geschützt und die Pflanzen sterben ab. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet man nach F1 und F2 Wirkstoffen.

HRAC-Gruppe G - EPSP Synthese Hemmung: Wirkstoffe dieser Klasse binden an einen Enzymrezeptor im Shikimat-Stoffwechsel im Chloroplasten und blockieren diesen. Als Folge bilden sich keine Aminosäuren mehr, der Proteinaufbau ist blockiert. Zu dieser Gruppe gehört der nicht selektive Wirkstoff Glyphosat

HRAC-Gruppe H – Glutamin Synthese Hemmung: Diese Wirkstoffklasse unterbindet die Produktion von Glutamin aus Glutamat und Ammonium in den Chloroplasten. Das Resultat ist eine Überdosis Ammonium in der Pflanze, die die Zellen zerstört. Zu dieser Gruppe gehört der nicht selektive Wirkstoff Glufosinate-Ammonium

HRAC-Gruppe I – Dihydropteroate Synthese Hemmung: Die Wirkstoffe dieser Gruppe behindern die Zellteilung und das Wachstum des Meristems. Sie führen zum Zelltod und damit zum Absterben der Pflanze.

HRAC-Gruppe K – Zellteilungs- und Fettsäure-Hemmer: Die Wirkstoffe dieser Gruppe greifen in die Zellteilung und hemmen die Bildung längerkettiger Fettsäuren. Viele Wirkstoffe dieser Gruppe werden über die Wurzeln aufgenommen und verhindern den Aufbau eines funktionierenden Wurzelsystems. Es gibt je nach Anriffsorten der Wirkstoffe mehrere Untergruppen K1, K1, K3

HRAC Gruppe L- Cellulose Hemmer: Wirkstoffe dieser Gruppe behindern den Aufbau der Cellulose. Die Pflanze kann keine Zellwand mehr bilden und stirbt.

HRAC-Gruppe M- Entkopplung der oxidative Phosphorylierung: Wirkstoffe dieser Gruppe bewirken eine sofortige Membranstörung der Zelle, was zur Nekrosenbildung und zum Absterben der Zellen führt.

HRAC-Gruppe N- Fettsäure- und Lipidbiosynthese Hemmer: Wirkstoffe dieser Gruppe greifen in mehrere Prozesse ein: Neben der Hemmung der Lipid- und Fettsäuresynthese wird auch die Synthese des Pflanzenhormons Gibberellin beeinflusst.

HRAC-Gruppe O- synthetische Auxine: Wirkstoffe aus dieser Gruppe greifen ähnlich den natürlich in Pflanzen vorkommendem Hormon Auxin in den Prozeß der Zellteilung ein. Übermäßige Zellteilung führt zu unkontrolliertem Wachstum. Dabei wird auch das Leitgewebe zerstört und stirbt das Unkraut ab.

HRAC-Gruppe P- Hemmung des Auxin Transportes: Herbizide dieser Klasse bewirken, dass das Hormon Auxin nicht transportiert werden kann. Dies wiederum führt zu Kümmerwuchs und zum Absterben der Pflanze.

Wenn Herbizide nur an einer bestimmten Stelle angreifen, ist die Gefahr einer Resistenz größer als bei Herbiziden, die an mehreren Orten in der Pflanzenzelle wirken!

*HRAC = Herbicide Resistance Action Committee.

Übersicht von Herbiziden im Ackerbau mit Gräserwirkung gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm 

Wichtiger Hinweis für Pflanzenschutzmittel und Biozide
Für Pflanzenschutzmittel: „Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen“
Für Biozide: „Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.“