Agrar Magazin / Resistenzmanagement

Herbizideinsatz im Herbst
Resistenzmanagement

Herbstbehandlung - Warum sie so wichtig ist!

Resistenzen entwickeln sich zunehmend zu ernsthaften Bedrohungen für den erfolgreichen Ackerbau. Enge, getreidereiche Fruchtfolgen unterstützen die Resistenzentwicklungen, vor allem die Ungräser Ackerfuchsschwanz und Windhalm, aber auch Weidelgras-Arten und Hühnerhirse zählen laut einer Aufstellung des Julius-Kühn-lnstituts zu den Sorgenkindern.

Ackerfuchsschwanz- und Windhalmverbreitung in Deutschland 2019
Mit resistenten Ackerfuchsschwanz (li.) bzw. Wildhalm (re.) befallene Getreideflächen in Deutschland. Basis: Eigene Erhebungen 2018
Resistenz ist zunächst einmal eine natürlich vorhandene, vererbbare Eigenschaft einzelner Biotypen einer Unkrautart. Resistente Ackerfuchsschwanz- und Windhalmpopulationen entwickeln sich etwa dann, wenn sich bestimmte Biotypen - abhängig von der natürlichen genetischen Vielfalt - auf ihre Umweltbedingungen gut anpassen können. Dies wird durch einseitige Pflanzenschutz- und produktionstechnische Maßnahmen begünstigt. Der Selektionsdruck auf weniger empfindliche Pflanzen etwa wird umso größer, je mehr die Intensität des Herbizideinsatzes
mit ständig gleichen Wirkstoffen ansteigt. Entscheidenden Beitrag leisten auch einseitige Anbausysteme mit engen Wintergetreidefruchtfolgen, reduzierter Bodenbearbeitung oder extremer Frühsaat.

Hinzu kommt, dass sich Resistenzen schleichend, sozusagen im Verborgenen, entwickeln. In der Praxis erweisen sich vermeintlich richtige Anwendungen somit erst dann als problematisch, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Der optimale Zeitpunkt gegenzusteuern, ist dann bereits überschritten. Auch hängt die Nicht-Wirkung eines Herbizids nicht grundsätzlich mit Resistenzen zusammen. Gründe können falsche Applikationszeitpunkte, falsche Aufwandmengen oder schwierige Witterungsbedingungen sein, die dafür sorgen, dass ein Herbizid seine Wirkung nicht vollständig entfalten konnte. Unbemerkt können sich die Samen resistenter Biotypen vermehren, später kommt es zu explosionsartigen Vermehrungen. Die Folge sind enorme Ertrags- und Umsatzeinbußen. Stark verunkrautete/verungraste Flächen lassen sich nicht mehr wie gewohnt bewirtschaften.

Einfluss der Herbizidwirkung auf den Populationskreislauf bei Ackerfuchsschwanz

Im inneren Ring ist dargestellt, dass sich bei gleichbleibender Wirkung der Besatz mit Ackerfuchsschwanz nicht verändert In den äußeren Ringen zeigen sich die Auswirkungen bei einem Wirkungsverlust von+/- 0,5%.
Ein häufiger Wirkstoffwechsel wird als Mittel der Wahl angesehen, in der Praxis sind die Möglichkeiten jedoch eingeschränkt. Neue Wirkungsmechanismen im Bereich der Getreideherbizide sind in den vergangenen Jahren nicht hinzugekommen, sind auch auf mittlere Sicht nicht zu erwarten. Die ALS-Inhibitoren und ACCase-lnhibitoren sind durch den intensiven Einsatz in der Vergangenheit einem höherem Resistenzrisiko ausgesetzt! Um diese Wirkstoffe nachhaltig zu schützen, muss also im Herbst die erste Maßnahme mit bodenwirksamen Wirkstoffen gesetzt und im Frühjahr nur bei Bedarf nachbehandelt werden. Wer etwa Herbizide gegen Ackerfuchsschwanz nur im Frühjahr einsetzt, dem stehen lediglich zwei Wirkstoffmechanismen zur Verfügung, die beide relativ stark zur Resistenzselektion neigen. Somit erweitert die Herbstbehandlung ein Angebot an Wirkstoffen und auch der Wirkstoffmechanismen und entlastet somit die unter starken Resistenzdruck stehenden ALS-Inhibitoren und ACCase­lnhibitoren im Frühjahr. Besonders gut gelingt die Herbstbehandlung mit innovativen Wirkstoffkombinationen. Gerade nach milden Wintern und einer einhergehenden kurzen Vegetationsruhe hat man es sonst im Frühjahr mit sehr stark entwickelten Ungräsern und Unkräutern zu tun.

Die Sache mit den Wirkstoffen

Konkret ist im Getreide durch den Wegfall von Flurtamone mit letztmaliger Anwendungsmöglichkeit im vergangenen Herbst ein sehr effektiver Baustein im Herbizidmanagement verloren gegangen. Die neuen Herbstlösungen namens Agolin Forte und Cadou Pro Pack sollen diese schließen. Dabei handelt es sich um die drei Wirkstoffe Pendimethalin, Difl­ufenican und Flufencacet, der Effekt, diese Wirkstoffe ergänzen sich in der Wirkung (s.Tabelle). Pendimethalin und Flufenacet aus der HARAC-Klassen Kl und K3 unterbinden das Zellwachstum, Diflufenican aus der Wirkstoffklasse Fl führt zum Chlorophyllabbau. Alle Komponenten zeichnen sich durch ihr niedriges Resistenzrisiko aus und sind in dieser Kombination in keinem anderen Herbizid enthalten. Je nach Wirkstoffanteil in der Herbizidkombination steht die Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz (Cadou Pro Pack) oder Windhalm (Agolin Forte) im Vordergrund.
Tabelle mit Wirkstofferklärung der 3 Wirkstoffe in Cadou Pro Pack und Agolin Forte
Durch die neue Kombination der bewährten Wirkstoffe Flufenacet (HRAC K3), Diflufenican (HRAC F1) und Pendimethalin (HRAC K1) bietet Bayer noch leistungsstärkere, noch effizientere Herbizide für höchste Ansprüche im Resistenzmanagement.

Integrierte Verfahren

Um Resistenzen wirksam vorzubeugen, ist jedoch eine Vielzahl weiterer Maßnahmen erforderlich, die individuell auf den Standort und den Betrieb zugeschnitten sein müssen.
•    Vielgliedrige Fruchtfolgen mit einen ausgewogenen Anteil an Winter- und Sommerungen sowie Blatt- und Halm­früchten. Der Anbau von Zwischenfrüch­ten im Herbst kann die Unkrautentwick­lung zusätzlich bis in das kommende Frühjahr begrenzen.
•    Immer mehr Landwirte entscheiden sich auch für die sogenannte Scheinsaat ("falsches Saatbett"). Dazu muss der Acker frühzeitig saatfertig gemacht wer­den. Zwei bis drei Tage vor der Saat kann der aufgelaufene Ackerfuchsschwanz mit Glyphosat gespritzt werden.
•    Ein später Saattermin von Wintergetreide begrenzt die Entwicklung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm.
•    Pflügen bei starker Verungrasung transportiert den Samen in tiefere Bodenschichten und hemmt deren Entwicklungsfähigkeit.
•    Aufwandmengen, Applikationstechnik und Einsatzzeitpunkt von Herbiziden nur so verwenden, dass hohe Wirkungsgrade zu erzielen sind.
•    Gezielter Wechsel der Wirkungsklassen

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