Agrar Magazin / Sonderkulturen

Oidium kann wiedr bekämpft werden
Sonderkulturen

Ein alter Wirkstoff ist zurück – UND BESSER DENN JE

Spiroxamine ist zurück. Seit einem Jahr im Kombiprodukt Luna Max und in dieser Saison nun auch als Solopräparat Prosper TEC. Eine gute Nachricht für das Resistenzmanagement bei der Oidium-Kontrolle.

„Jede Wirkstoffklasse zählt.“ Für Dr. Andreas Kortekamp vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinland-Pfalz in Neustadt an der Weinstraße ist jede neue schlagkräftige Substanzgruppe im Kampf gegen Oidium willkommen. „Für die laufende Saison verfügen wir über sieben synthetische Wirkstoffklassen, mit Schwefel und den Carbonaten sogar über neun“, so Kortekamp. Das sei gut, um möglichst viel Abwechslung in die Spritzfolge für die Mehltaukontrolle zu bringen. Bis 2018 war die Liste noch um eine Gruppe kleiner. Doch mit der Einführung von Luna Max – und damit dem Wirkstoff Spiroxamine – kam die Klasse der Spiroketalamine hinzu. In diesem Jahr steht mit Prosper TEC zusätzlich ein Soloprodukt mit diesem Wirkstoff für die Oidium-Kontrolle zur Verfügung. Seine Vorteile: Es wirkt vorbeugend, aber auch kurativ bei bereits erfolgten, nicht sichtbaren Infektionen.

Die meisten Winzer können sich noch an Prosper erinnern, dessen Zulassung im Weinbau Mitte 2010 auslief. Inzwischen hat Bayer das Mittel deutlich weiterentwickelt und mit Prosper TEC eine völlig neue Formulierung des Wirkstoffs zur Zulassung gebracht. Spiroxamine gehört zu den Sterol-Biosyn-these-Inhibitoren (SBI/Klasse II). Die Substanz attackiert den Aufbau von Zellwänden, ohne den Pilze wie Oidium nicht überleben. Dabei kommen gleich mehrere chemische Wirkmechanismen zum Tragen – ein guter Resistenzschutz. Das Fungicide Resistance Action Committee (FRAC) stuft das Resistenzrisiko der Spiroketalamine daher auch als „niedrig bis mittel“ ein. Pro Jahr dürfen je Hektar bis zu 600 Gramm Spiroxamine ausgebracht werden. Das entspricht entweder zwei Anwendungen von Prosper TEC oder je einem Einsatz von Prosper TEC und Luna Max. Experten empfehlen derzeit zur besonders sensiblen Zeit der abgehenden Blüte in jedem Fall ein Produkt mit SDHI-Wirkstoff. Luna Max hat hierbei den Vorteil, mit dem SDHI Fluopyram und Spiroxamine zwei Wirkstoffe zu kombinieren, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung absichern. „Kommt Luna Max zur Anwendung, setzt man Prosper TEC am effektivsten einmal in der Vorblütezeit ein“, rät Dr. Torsten Griebel, Beratung und Marketing für Weinbau bei Bayer CropScience Deutschland.

Aber auch Luna Experience (Fluopyram plus Tebuconazol) sei nach wie vor eine SDHI-Option. „Dann kann man Prosper TEC außer in der Vorblütephase auch in der Nachblüte verwenden“, so Griebel. Insgesamt darf Prosper TEC bis zur Erbsengröße der Beeren (BBCH 75) angewandt werden. Auch Andreas Kortekamp vom DLR kann sich zwei Anwendungen vorstellen. Der Experte favorisiert insbesondere Phasen mit schnellem Wachstum. Wie für alle Produkte gelte dabei aus Resistenzschutzgründen: keine zwei Anwendungen hintereinander. „Dazwischen sollte man mindestens einmal die Wirkstoffgruppe wechseln, noch besser zweimal“, so Kortekamp. Auch Luna Max und Prosper TEC dürfen daher nicht unmittelbar aufeinanderfolgen. Trotz guter Versuchsergebnisse muss sich Prosper TEC in der rauen Wirklichkeit noch bewähren. „2019 war der Oidium-Druck in den meisten deutschen Anbaugebieten sehr gering“, sagt Griebel. Doch das könne in diesem Jahr wieder anders aussehen. Dann sei es gut zu wissen, dass sich die Spritzfolge mit Prosper TEC schlagkräftig ergänzen lässt.

HAUCHDÜNN VERKAPSELT

Im klassischen Prosper war Spiroxamine als Emulsionskonzentrat (EC) formuliert. Für Prosper TEC haben die Bayer-Entwickler den Wirkstoff eigens in eine andere Substanz eingekapselt und die so entstandenen dünnwandigen Mikrokapseln in Wasser suspendiert.

Diese sogenannte Kapselsuspensionsformulierung (CS) sorgt dafür, dass der Wirkstoff beim Ausbringen fein verteilt auf die Blätter der Reben gelangt. Im Kontakt mit der Kutikula öffnen sich die Kapselhüllen innerhalb weniger Stunden, und das Spiroxamine dringt rasch ins Blattinnere ein. Schon sechs Stunden nach der Benetzung liegt die Penetrationsrate bei 40 Prozent der applizierten Wirkstoffmenge – doppelt so hoch wie bei Prosper. Diese bessere Bioverfügbarkeit ermöglicht einen schnellen Wirkeintritt und erhöht auch die Regenbeständigkeit.

Gegenüber der EC-Formulierung des herkömmlichen Prosper kommt die neue CS-Formulierung zudem mit weniger Lösungsmittel und Hilfsstoffen aus und ist damit besonders pflanzenverträglich.