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Botrytis in Erdbeeren: Die Entscheidung fällt am Anfang

Arno Fried vom Landwirtschaftsamt Bruchsal empfiehlt den Einbau von Luna Sensation in die Behandlungsstrategie. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert befasst er sich mit Erdbeeren. In zahllosen Versuchen standen sie schon im Zentrum seines Interesses. Und wenn Obstbauern Rat suchen, dann wenden sie sich oft an ihn.
Denn sie wissen: Arno Fried berät sie gern und kompetent. Als Abteilungsleiter im Landwirtschaftsamt Bruchsal ist er dort zuständig für Sonderkulturen. Dementsprechend kennt er sich auch mit allen anderen Obstarten aus. Regelmäßig erhebt und liefert die Arbeitsgruppe Pflanzenschutz im Obstbau Daten, die dann beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg zusammenfließen. So können Obstanbauer objektiv über umweltschonenden und wirtschaftlich sinnvollen Pflanzenschutz beraten werden. Schließlich ist das Landwirt-schaftsamt in Bruchsal als zertifizierte Prüfstelle auch für die umfangreichen Versuche zuständig, die der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels vorausgehen. So auch für Luna Sensation, das neue Fungizid von Bayer, das Erdbeeren vor Pilzbefall schützen soll.

Herr Fried, welche Erfahrungen haben Sie insgesamt mit Luna Sensation gemacht?

Gute.

Wie lange haben Sie sich mit dem Mittel befasst?

So an die zehn Jahre, wobei wir die letzten vier Jahre dafür aufgewendet haben, eine Spritzfolge für Erdbeeren zu optimieren.

In welchen Zeiträumen haben Sie das Mittel getestet?

In den ersten Prüfjahren haben wir die Wirkungen über das gesamte Anwendungsfenster kurz vor der Blüte bis circa sieben Tage vor der Ernte untersucht. So stellt man ganz genau fest, welche Erreger man damit erfassen kann. Danach fließen diese Erkenntnisse in die Gestaltung einer optimalen Spritzfolge ein.

Und damit lassen sich Fruchtfäulen sicher verhindern?

Bei den Erdbeeren haben wir das Problem, dass es ja eine ganze Reihe von Fruchtfäulen gibt - also nicht etwa nur Botrytis. Botrytis ist mit Sicherheit der wichtigste pilzliche Erreger, aber wir haben auch noch zum Beispiel Anthraknose und Gnomonia. Sozusagen eine Reihe von verschiedenen Pilzen. Wenn eine Frucht von einem anderen Pilz geschädigt ist, kommt häufig noch Botrytis dazu. Das Ergebnis ist dann leider schlicht und einfach "Matsche". Und jetzt reden wir gar nicht von den Lagerversuchen, denn da kommen ja noch andere Pilze hinzu, wie etwa Penicillium, Mucor/Rhizopus und Phytophthora-Lederbeerenfäule.
Erdbeeren mit Botrytis Befall

Befallen: Durch Fruchtfäulen verlieren Obstbauern jedes Jahr einen Teil ihrer Ernte.

Die aber doch wohl kaum bekämpft werden können.

Richtig. Dagegen gibts keine ausreichend wirksamen Mittel. Erdbeeren, die innerhalb von sieben Tagen nach der Ernte nicht vermarktet sind, kann man vergessen. Johannisbeeren hingegen kann man lagern, nicht aber Erdbeeren. Die sind viel zu verderblich, verlieren an Glanz, Festigkeit und Geschmack.

Wann ist denn dann der richtige Zeitpunkt für Luna Sensation?

Es muss behandelt werden, wenn sich die ersten Blüten öffnen. Denn wir müssen uns doch vor Augen halten, wie die ersten Infektionen durch Botrytis überhaupt funktionieren: Die Sporen fliegen in die sich entwickelnde Blüte und lagern sich dort ein. Die Hyphen, die später die Frucht durchwachsen, können aber erst wachsen, wenn sich das Säure-Zucker-Verhältnis in der Frucht in Richtung mehr Zucker verschiebt. Bis dahin vergeht aber einige Zeit bis zur angehenden Ernte.

Heißt das: Wenn der Schaden sichtbar wird, ist es bereits zu spät?

Genauso ist es. Und trotzdem machen manche Betriebe immer noch diesen Fehler. Wer erst was tun will, wenn der Pilz zu sehen ist, hat schon verloren. Das ist fachlich daneben. Ganz am Anfang muss man was tun.

Warum ist die Frage der Rückstände so wichtig?

Die großen Handelsketten beschränken die Zahl der feststellbaren Wirkstoffe inzwischen auf fünf. Wenn in den Früchten Rückstände von mehr als fünf Wirkstoffen gefunden werden, wird die Ware beanstandet und zurückgewiesen. Das ist meines Erachtens völlig willkürlich – in anderen Ländern gibt es diese Sekundärstandards nicht, oder es gibt bereits Diskussionen, die Anzahl wieder anzuheben. Aber auch das ist sachlich kaum zu rechtfertigen. Was aber viel schlimmer ist: Die Beschränkung auf fünf Wirkstoffe ist auch noch kontraproduktiv.

Wieso das?

Weil dadurch die Gefahr von Resistenzentwicklungen der Erreger zunimmt. Und wir müssen uns doch darüber im Klaren sein, dass wir alles tun müssen, um Resistenzbildungen vorzubeugen. Denn darin liegt eine ungeheure Gefahr: Wenn ein Wirkstoff nicht mehr wirksam ist, kann dies für die gesamte Branche – und damit natürlich für den Verbraucher – geradezu verhängnisvoll sein.

Wie lässt sich eine Begrenzung auf fünf Wirkstoffe in der Praxis realisieren?

Das ist es ja: nicht in jeder Kultur! Nehmen Sie Luna Sensation mit bereits zwei Wirkstoffen. Andere Fungizide haben ebenfalls zwei. Da muss man als Anwender schon jonglieren. Denn es kann ja gut sein, dass man noch ein Milben- oder ein Läusepräparat benötigt. Und schon kommt man an die Grenzen dieser willkürlichen zusätzlichen Begrenzungen des Lebensmitteleinzelhandels.

Was wäre denn aus der Sicht eines unabhängigen Fachmanns eine gute Lösung?

Das Ziel muss doch sein, Ernten zu sichern und gleichzeitig Verbraucher und Umwelt zu schützen. Die größte Gefahr dabei ist derzeit das Resistenzrisiko. Die meisten Menschen machen sich ja gar keine Vorstellungen davon, wie es sich auswirken würde, wenn ein zentraler Wirkstoff wegbräche. Das wäre ein großes Problem. Darum ist es aus meiner Sicht unerlässlich, dass Wirkstoffe miteinander kombiniert werden können. Denn genau dadurch kann man das Resistenzrisiko entscheidend verringern. Eine Beschränkung auf fünf Wirkstoffe wirkt dem jedoch genau entgegen.

Aber Luna Sensation können Sie empfehlen?

Ja, weil wir gute Versuchsergebnisse erzielt haben. Das Fungizid zeigt eine gute Leistung gegenüber Botrytis und erfasst sicher den Erdbeermehltau. Eine sehr gute Wirkung konnten wir
auch gegen Anthraknose feststellen.

Keine Schwachpunkte?

Doch, es gibt einen Erreger ganz am Anfang der Saison: Gnomonia. Bei Gnomonia ist die Wirkung nicht ganz so konstant wie bei den anderen Erregern. Da müssen wir ein anderes Mittel einsetzen. Aber direkt danach können wir mit Luna Sensation einsteigen. Das ist eine erfolgversprechende Strategie, die im Übrigen nicht nur von uns, sondern auch vom Hersteller so propagiert wird.

Konkret heißt das…

…dass Luna Sensation in der zweiten Spritzung, also bei der ersten Blütenbehandlung, eingesetzt wird. Wichtig ist die Berücksichtigung der gesamten Behandlungsstrategie: Keine Wirkstoffe von anderen Wirkstoffen in der gleichen Wirkstoffgruppe direkt vor und nach Luna Sensation einsetzen. Der Wechsel ist notwendig, damit sich keine Minderwirkungen oder gar Resistenzen aufbauen.

Und was empfehlen Sie für den Schluss?

Da gibt es beispielsweise Teldor. Aber man muss sich darüber im Klaren sein: Die entscheidenden Hebel werden nicht am Ende umgelegt. Wie erfolgreich die Erdbeerernte ist, entscheidet sich immer am Anfang. Da muss man was tun. Da braucht man starke Produkte.