Agrar Magazin

Bodenprüfung Wintergetreide

Resistenzen - Die unsichtbare Gefahr

Verborgen im Boden schlummern Samen von Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Bearbeiten Landwirte ihre Felder, wachsen nicht nur gesäte Nutzpflanzen, sondern auch die Ungräser. In der konventionellen Landwirtschaft setzt man Herbizide gegen sie ein. Doch die Schadpflanzen können resistent gegen Wirkstoffe der Pflanzenschutzmittel werden. Was können Landwirte dagegen unternehmen?

In Nordeuropa sind die Felder sehr ertragreich – bei einem hohen Qualitätsstandard“, sagt Christian Milz, Experte für Getreideherbizide bei Bayer. „Damit das auch noch über viele Generationen hinweg so bleibt, ist Resistenzmanagement das A und O in der Landwirtschaft. So bleiben die Populationen von Ungräsern und Unkräutern überschaubar und Herbizide können ihre volle Leistung entfalten und bleiben langfristig wirksam.

Warum beschwören Herbizidexperten den noch positiven Status Quo so eindringlich? Weil er bald Geschichte sein könnte – denn besonders Ackerfuchsschwanz und Windhalm werden beim Getreideanbau ein immer größeres Problem: Steigt doch mit jeder zusätzlichen Schadpflanze auf dem Feld die Wahrscheinlichkeit, dass diese Resistenzen ausbildet.

Ernte in Gefahr

Die Herausforderung: Resistenzen entwickeln sich zunächt unbemerkt. So sieht man dem Ackerfuchsschwanz oder Windhalm nicht an, ob sie resistenz gegen gewisse Wirkstoffgruppen sind. Stellt man visuell im Feld fest, dass Schadpflanzen nicht mehr auf die PS-Maßnahmen reagieren, ist es oft schon zu spät: Dann haben sich die wirkstoffresistenten Schadpflanzen bereits auf den Flächen ausgebreitet – mit dramatischen Folgen.

Zusätzlich dienen resistete Samen als Gefahrenpotental im Boden und können - je nach Überlebensfähigkeit - über die nächsten Jahre auflaufen und den Besatz resistenter Pflanzen dramatisch erhöhen.

Die Folge: Landwirte müssen enorme Ertrags- und Umsatzeinbußen hinnehmen und können ihre Felder nicht mehr wie gewohnt bewirtschaften – über Jahre hinweg.


30 - 40 %

der Population von Ackerfuchsschwanz wächst im Frühjahr. Ideal ist eine blattaktive Herbizidbehandlung (beispielsweise mit Atlantis Flex)
C. Milz, Herbizid-Experte bei Bayer

Wirkstoffpalette seit Jahren erschöpft

Natürlich: Resistenzen sind nicht neu. Bekamen Landwirte diese in der Vergangenheit mit neuen Produkten in der Regel in den Griff, ist seit Ende der 2000er Jahre die Wirkstoffpalette erschöpft. Nur wenige Industrien forschen noch an innovativen Mitteln – darunter auch Bayer. „Ein neues Herbizid zu entwickeln, ist unglaublich komplex“, sagt Milz. „Schließlich darf von dem Produkt kein Schaden für Mensch und Umwelt ausgehen – außerdem soll es nur an den Schadpflanzen wirken.

So können von der Testphase im Labor bis zum Einsatz auf dem Feld bis zu 15 Jahre vergehen – für den Landwirt zu spät. „In der Zwischenzeit haben sich die resistenten Schadpflanzen auf seinem Acker vermehrt“, sagt Milz. „Deshalb ist ein gutes Resistenzmanagement so wichtig – und langfristig das einzig verlässliche Vorgehen.“

Kreislaufmodell Ackerfuchschwanzverbreitung
Kreislaufmodell Ackerfuchschwanzverbreitung

Kosten senken durch gutes Resistenzmanagement

Um ertragreiche Ernten einzufahren, sind verschiedene Maßnahmen nötig, die wie ein Baukastenprinzip aufeinander aufbauen: Wenn Landwirte statt im September erst Mitte Oktober säen, reguliert sich der Ackerfuchsschwanz-Druck spürbar.

Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge inklusiv einer Sommerung senken zusätzlich den Unkrautdruck. Um im Wintergetreide (in unserem Beispiel Winterweizen und Wintertriticale) möglichst hohe Wirkungsrade zu erzielen, muss bereits im Herbst mit einem hochaktiven Bodenherbizid gearbeitet werden. (Wirkstoff: Flufenacet HRAC K3 + Flurtamone HRAC F1 + Diflufenican HRAC F1). Darauf folgt im Frühjahr die Behandlung mit einem blattaktiven Behandlungsmittel (Mesosulfuron HRAC B + Propoxycarbazone HRAC B).
Christian Milz
„Je eher Herbizide eingesetzt werden, desto erfolgreicher ist der Pflanzenschutz. In einem frühen Pflanzenstadium sind die Unkräuter und Ungräser besser zu fassen.“
Christian Milz, Experte für Getreideherbizide bei Bayer

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