Agrar Magazin / Mais

Maiskolben mit Fusarium Befall
Mais

Vorsicht vor Pilzgiften!

Wenn Pilzkrankheiten den Ertrag bedrohen, ist das schlimm genug. Doch manche Erreger, etwa Fusarien, bergen eine weitere Gefahr: Sie setzen giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) frei. Diese Mykotoxine können z.B. zum Problem werden, wenn sie an Nutztiere verfüttert werden. Vor allem bei Getreide und Mais ist eine gute Fusarienkontrolle daher von großer Bedeutung. Um die Risiken zu minimieren, helfen sowohl ackerbauliche Maßnahmen als auch geeignete Fungizide.

Mehr als tausend Mykotoxine bekannt

Mykotoxine entstehen im Stoffwechsel von Schimmelpilzen und Fusarien. In unseren Regionen sind vor allem die Mykotoxine Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) von praktischer Bedeutung. Beide werden von vielen Fusarienarten gebildet und freigesetzt. Die EU-Kommission hat schon 2006 entsprechende (obere) Richtwerte in Futtermitteln für beide Mykotoxine festgesetzt.

Alle Getreidearten und auch Mais können als Wirt für Schimmelpilze  und  Fusarien auftreten. Solche Infektionen sorgen nicht nur für  Mindererträge. Ihre giftigen Stoffwechselprodukte sind für die spätere Verwendung, etwa von Mais in der Futtermittelindustrie, auch ein handfestes Risiko.

Gefahr für die Tiergesundheit

Vor allem Schweine reagieren empfindlich. Hohe Gehalte an DON etwa führen bei ihnen zum Erbrechen. Und schon geringere Konzentrationen beeinträchtigen den Darm und damit die Futterverwertung. Außerdem kann DON dazu führen, dass Schweine die Nahrungsaufnahme verweigern. Hinzu kommt eine Schwächung des Immunsystems – und damit die erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten.

Das Mykotoxin ZEA verhält sich wie Östrogen im Körper. Es führt zu Aborten und Frühgeburten bei tragenden Sauen. Die geborenen Ferkel haben häufig Entwicklungsstörungen. Ferkel bei denen die Mutter während der Trächtigkeit mit ZEA belastetem Futter gefüttert wurde, haben später geringere Wurfgrößen oder sind sogar unfruchtbar.

Gegensätzliche Symptome bei Schweinen und Rindern

Rinderfütterung

Die Symptome von Mykotoxinen bei Schweinen sind sehr bekannt. Da die Tiergruppen in der Regel sehr homogen sind reagieren die Tiere einer Gruppe einheitlich. Veränderungen fallen sehr schnell auf.  Anders als Schweine können Rinder einige Mykotoxine in ihrem Pansen abbauen. Das setzt einen gut funktionierenden Pansen und eine ausgeglichene Futterration voraus. Milchkühe mit guten Leistungsdaten oder Tiere direkt nach dem Abkalben sind hier anfälliger. Diese Gruppe von Tieren kann Mykotoxine im Pansen weniger gut abbauen.

Tiere einer Milchkuhherde sind nicht so homogen wie bei Schweinen. Die einzelnen Tiere befinden sich in unterschiedlichen Abschnitten der Laktation und auch ihre Leistungsdaten können stärker variieren. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Symptomausprägung. Eine Ursachenforschung gestaltet sich deutlich schwieriger.

Häufig sind belastete Futtermittel die Ursache für viele Probleme im Stall. Selten werden direkt Mykotoxine als Quelle verdächtigt. Daher ist es notwendig und wichtig zu wissen wie stark die eigenen Futtermittel belastet sind. Neu seit einigen Jahren ist die Diskussion um maskierte Mykotoxine. Dabei handelt es sich um die gleichen Mykotoxine (z.B. DON und ZEA) bei denen noch in der Getreide- oder Maispflanze Zucker angelagert wird. Durch diese chemische Veränderung können diese Toxine mit herkömmlicher Technik nicht gefunden werden. Im Tiermagen werden die Zuckermoleküle wieder vom Toxin abgeschnitten und damit das Toxin wieder freigesetzt.

Risiko bei Mais anders als bei Weizen

Das Risiko einer Fusariuminfektion beim Mais ist höher als bei den konventionellen Getreidearten. Anders als bei Weizen trägt der Mais den Kolben im Bestand. Die Ähre beim Weizen trocknet durch ihre Lage deutlich besser ab als der Kolben vom Mais der im Bestand hängt. Das Mikroklima am Kolben ist deutlich feuchter als das bei der Getreideähre.
Wenn es im Frühjahr feucht und warm ist und es zur Maisblüte regnet ist besondere Vorsicht geboten. Dann ist die Gefahr einer sehr starken Infektion sehr hoch. Stroh oder andere tote organische Reste im Bestand fördern das Risiko zusätzlich. Auf diesen Resten überwintert und vermehren sich die Fusariumpilze.
Schnellcheck Fusarium

Schäden, etwa durch Maiszünsler, Maiswurzelbohrer oder Vogelfraß, begünstigen den Pilzeinfall ebenfalls. Dasselbe gilt für eine verzögerte Ernte (langes Stehen im abgereiften Zustand) oder Frostereignisse vor der Ernte.   Durch diese Schäden werden die natürlichen Barrieren der Pflanze durchbrochen und der Pilz kann die Pflanze befallen.

Wie sehr Mais von der Problematik betroffen ist, zeigen Körnermaisuntersuchungen aus den Jahren 2008 bis 2016 von QS. Unter 4500 Maisproben war dabei in drei von vier Fällen DON und in knapp 70 Prozent ZEA nachgewiesen worden. Der durchschnittliche Gehalt lag bei den befallenen Proben bei DON bei 1,3 und bei ZEA bei 1,1 mg/kg und damit deutlich über dem Richtwert für Futtermittel für Schweine.

Abwehrstrategien

Mit geeigneten Maßnahmen lässt sich das Mykotoxin-Risiko reduzieren  Bei allen Kulturen ist die Sortenwahl ein wichtiger Baustein um die Kontamination mit Mykotoxinen gering zu halten. Weitere Einflussfaktoren sind Fruchtfolge und Bodenbearbeitung. Wichtig ist es aber auch, den Fusarienbefall auf dem Feld zu bekämpfen. Seit 2016 steht dabei auch für Mais das Fungizid Prosaro zur Verfügung. Entsprechende Testreihen haben gezeigt, dass der Einsatz am erfolgreichsten war, wenn das Produkt ab EC 51 (beginn des Rispenschiebens, Rispe nicht sichtbar aber gut fühlbar) zum Einsatz kommt.

In mehrjährigen Tests in Mais zeigte sich: Prosaro reduziert die Konzentration von DON und ZEA in Körner und Silomais. In diesen Versuchen konnte DON um mehr als 70% reduziert und ZEA um  mehr als 80% reduziert worden. Der Einsatz von Fungiziden ist allerdings nur einer von vielen Bausteinen, um das Mykotoxinrisiko zu senken.

Dr. Thorsten Balz
„Genauso wichtig sind ackerbauliche Instrumente und die geeignete Sortenwahl. Nur mit all diesen Maßnahmen zusammen wird es möglich sein, Mykotoxinbelastungen im Mais dauerhaft niedrig zu halten.“
Dr. Torsten Balz, Bayer CropScience Deutschland Produktmanager für Mais