Agrar Magazin

Armin Leberle

"Windhalm? - Haben wir im Griff!"

Neben dem Ackerfuchsschwanz wird der Gemeine Windhalm zunehmend zum Störfaktor auf deutschen Getreideäckern. Auch in Niederbayern ist das so. Doch wenn man alles richtig macht, lässt sich das hartnäckige Ungras unter Kontrolle bringen. Zumindest gelingt das Armin Leberle von der Dr. J. Ackermann & Co. KG in der Nähe von Straubing bisher gut. Wichtige Eckpfeiler für seinen Erfolg: die richtigen Produkte, die optimalen Spritztermine, flexible Bodenbearbeitung und eine geeignete Fruchtfolge.
Der Gäuboden gilt als die Kornkammer Bayerns. Fruchtbare Lössböden, die während der letzten Eiszeit in die Senke südlich der Donau geweht worden waren. Jetzt  steht Armin Leberle in Feldkirchen, etwas westlich von Straubing, auf einem solchen Boden. Mit dem rechten Stiefel streicht er an einigen Stellen über das Erdreich, das nach der Weizenernte dreimal gegrubbert wurde. Und er freut sich. „Schön locker - perfekt für die Herbizidanwendung“, stellt Leberle zufrieden fest. „Mit Pflügen wäre das bei dem Boden hier nicht so schön geworden“, fügt er an.

Es wird nicht mehr lange dauern bis zum Herbizideinsatz. Im Hintergrund rollt die Sämaschine über die Reihen und drillt Gerstenkörner in den Boden. Es ist keine normale „Konsum-Gerste“: Die Samen stammen vielmehr aus Zuchtversuchen und sollen sich jetzt erstmals im Feldversuch bewähren. Kurz nach dem Auflaufen der Kulturen wird Leberle dann die Feldspritze über das Feld schicken.

Seit 2015 leitet Armin Leberle beide landwirtschaftliche Betriebe der „Dr. J. Ackermann & Co. KG“. Auf 700 Hektar, die sich auf die Standorte verteilen, baut der Betrieb Rüben, Raps und vor allem Getreide an: Winterweizen, Roggen, Winter- und Sommergerste. Hinzu kommen noch etwas Mais sowie einige Hektar andere Kulturen. Etwa ein Zehntel der Fläche dient den genannten Zuchtversuchen und Zuchtgärten  der „Ackermann Saatzucht GmbH & Co. KG“, zu der auch die von Leberle geleiteten Betriebe gehören. Im Auftrag der „Saatzucht Ackermann“ erfolgen die Vermehrungen, denen der Großteil der Getreidefläche des landwirtschaftlichen Betriebs dient.

Über den fruchtbaren Lössboden freut Leberle sich natürlich. Aus seiner schwäbischen Heimat im Nördlinger Ries ist er schwere, sandige und steinige Böden gewohnt. Was ihn aber nicht so freut, sind die vielen Widrigkeiten, mit denen man sich auch im Gäuboden auseinandersetzen muss. Obwohl, „nicht freuen“ trifft es nicht genau, denn Leberle sagt auch, dass er „Landwirt aus Leidenschaft“ sei. Und dass er Spaß an Herausforderungen habe. Unkräuter, Pilzdruck, die Frage nach dem optimalen Düngen - all das reizt ihn. „Fehler zu machen“, bezeichnet er als „spannend, weil man daraus lernen könne“.

Zumindest im Kampf gegen Unkräuter hat der Schwabe in Niederbayern bisher aber kaum Fehler gemacht. Er weiß natürlich, dass der Windhalm im Gäuboden seit einigen Jahren auf dem Vormarsch ist. Und er hat auch von den ersten Windhalmresistenzen gehört, die dort beobachtet wurden. Ein blattaktives Produkt ist als Waffe für die Frühjahrsanwendung im Getreide damit vereinzelt sogar schon stumpf geworden.
Mit Windhalm durchsetztes Getreidefeld.

Ein bereits mit Windhalm durchsetztes Getreidefeld.

Konsequente Herbstanwendung

Probleme, die Leberle in seinem Betrieb nicht kennt. „Windhalm? Ja, den haben wir auch“, räumt er ein. Aber er stellt sofort klar: „Den haben wir im Griff.“ Auf die Frage nach dem „Wie“ sinniert der Betriebsleiter kurz und sagt: „Die richtigen Termine, die richtigen Mittel.“

Ein wichtiger Termin ist auf jeden Fall die Herbstanwendung, die der Betrieb konsequent durchführe. „In der Regel kurz nach dem Auflaufen der Kulturen“, so Leberle. Seit hier und da auch Ackerfuchsschwanz mit aufläuft, geht er dabei ganz auf Nummer sicher und setzt Herbstherbizide ein. Lediglich dort wo Winterweizen auf Zuckerrüben folge, falle die Aussaat meistens so spät in den Oktober, dass eine Herbstanwendung nicht mehr möglich sei. „Auf diesen Flächen führen wir dann in der Regel eine Frühjahrsbehandlung durch, üblicherweise mit Atlantis-Produkten", erzählt Leberle. Bisher habe das sowohl Windhalm als auch Ackerfuchsschwanz wirksam im Zaum gehalten.

Das muss auch so sein, denn gerade auf den Vermehrungsflächen gelten besonders strenge Auflagen. Außerdem bestehen die Pachtbetriebe in diesem Gebiet schon seit 180 Jahren und Armin Leberle betont, dass man sich selbstverständlich den Verpächtern gegenüber verpflichtet, die Felder in einwandfreien Zustand zu präsentieren. Und Unkrautsamen im Getreidesaatgut sind ein absolutes Tabu für den Handel. Vertrieben wird das hergestellte Saatgut durch die übergeordnete Vertriebsorganisation Saaten-Union.

Dass Winterweizen auf Rüben folgt, ist bei „Dr. J. Ackermann & Co. KG“ normal,  auch wenn eine vielgliedrige, getreidebetonte  Fruchtfolge im Gäuboden nicht die Regel ist. Klassischerweise kommt dort nach dem Weizen dann Wintergerste auf dasselbe Feld - in der Regel für Vermehrungszwecke. Armin Leberle will diese Abfolge aber künftig geringfügig variieren. So soll auf festeren und damit schlechteren Böden noch eine Rapssaison zwischen Weizen und Gerste geschaltet werden. Diese erweiterte Fruchtfolge mit intensivem Zwischenfruchtanbau vor den Hackfrüchten bietet dann noch mehr Möglichkeiten in der Ungras- und Unkrautkontrolle.
Landwirt Leberle vor Grubber.

Resistenzmanagement besteht aus vielen Komponenten, weiß Leberle. Bodenbearbeitung und Fruchtfolgen sind nur Teile davon.

Grubbern statt pflügen

Auch hinsichtlich der Bodenbearbeitung hat Leberle schon Modifikationen eingeführt. Eine davon: den Pflug häufiger in der Scheune zu lassen und stattdessen den Horsch-Grubber einzusetzen. Das sei besser für die Bodenbiologie, findet Leberle. Drei- bis viermal lässt er dann grubbern, das letzte Mal mit dem tiefergehenden Maschio-Grubber. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Wenn auf eine Weizensaison eine mit Wintergerste für die Vermehrung folgt, dann wird gepflügt. „Um das Durchwachsrisiko zu mindern“, erklärt Leberle. Eine besondere Vorsichtsmaßnahme, die den strengen Anforderungen für Vermehrungsflächen geschuldet ist.

Einstweilen will Armin Leberle nichts an seiner grundsätzlichen Strategie ändern. Vieles davon habe er schon vor 2015, als er noch für einen anderen Betrieb in der Region arbeitete, mit Erfolg praktiziert. Wenn die Probleme massiver würden und sich zum Beispiel Resistenzen einstellten, dann werde er natürlich reagieren. Aber wer weiß: Vielleicht kann Leberle einer Resistenzbildung noch lange Einhalt gebieten. Und vielleicht hat das dann nicht nur mit den „richtigen Terminen“ und den „richtigen Mitteln“ zu tun, sondern auch mit der richtigen Techni - In die hat der Betriebsleiter investiert um sicherzustellen, dass die Tankmischungen perfekt ausgebracht werden und die gewünschte Wirkung auch optimal erreicht wird. Auch das entscheide schließlich darüber mit, wie vollständig Ungräser und Unkräuter abgetötet werden. Und es ist ja bekannt: Die Probleme entstehen vor allem durch die Pflanzen, die ihre Bekämpfung überlebt haben.