Agrar Magazin / Zulassungen

Schilf-Glasflügelzikade
Zulassungen

Die Schilf-Glasflügelzikade: Eine wachsende Bedrohung für Zuckerrüben und Kartoffeln

In der Landwirtschaft stehen Landwirte heutzutage vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Neben den bekannten pilzlichen Schaderregern rücken immer mehr Schädlinge und bakterielle Krankheitserreger in den Fokus, insbesondere aufgrund der sich verändernden klimatischen Bedingungen.
Ein besonders gefährlicher Akteur in diesem Kontext ist die Schilf-Glasflügelzikade. In den letzten Jahren hat sich diese Zikade zu einem ernsthaften Problem entwickelt, da sie als Überträger der Krankheiten SBR (Syndrome Basses Richesses) und Candidatus Phytoplasma solani (Stolbur) fungiert. Diese Krankheiten können erhebliche Ernteverluste und Qualitätsminderungen bei Zuckerrüben und Kartoffeln verursachen.

Eine neue Bedrohung aus dem Süden

Die Schilf-Glasflügelzikade stammt ursprünglich aus milderen, südeuropäischen Regionen. Mit dem Anstieg der Temperaturen in Deutschland hat sich ihr Verbreitungsgebiet jedoch erheblich ausgeweitet. Im Agrar-Podcast „Säen & Hören“ berichtet Agrar-Ingenieur und Landwirt Hermann Dorfner aus der Nähe von Ingolstadt, dass der Befall in seiner Region vor etwa drei Jahren begann. Zunächst waren die Symptome subtil: Die Blätter der Rüben wurden gelb, und die Erträge schienen nicht sofort betroffen zu sein. Doch bereits im darauffolgenden Jahr waren die Auswirkungen dramatisch. In stark befallenen Feldern sanken die Erträge um bis zu 20 Prozent, und der Zuckergehalt fiel von über 16 Prozent auf unter 12 Prozent. Die Gegend um Ingolstadt war 2025 ein Hotspot des Befalls mit der Schilf-Glasflügelzikade.

Ausbreitung und Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade

Die schnelle Ausbreitung der Zikade, die sich durch Wind und ihre Fähigkeit, sich über weite Strecken zu verbreiten, auszeichnet, stellt Landwirte vor große Herausforderungen. Im Agrar-Pocast „Säen & Hören“ schätzt Landwirt Hermann Dorfner, dass sich innerhalb eines Jahres der Befall um 20 bis 30 Kilometer um den eigenen Hof ausbreiten kann. Denn die Zikaden überwintern im Boden und ernähren sich im Frühjahr von den Pflanzen. Dabei übertragen sie durch Stiche dann die schädlichen Bakterien, die die Rüben oder Kartoffeln schädigen. Das Resultat sind Ernteverluste, schlechte Qualität und Deformation der Pflanzen. Zikaden fühlen sich in warmen Temperaturen besonders wohl und vermehren sich dann in großen Mengen.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, haben Landwirte verschiedene Strategien entwickelt. Dazu gehören die Anpassung der Fruchtfolge, der Anbau von Sommergetreide und die Verwendung von Insektiziden. Allerdings ist die Bekämpfung der Zikade nicht einfach. Eine erfolgreiche Strategie erfordert die Zusammenarbeit aller Landwirte in der Region, um die Zikade effektiv zu bekämpfen. Denn wenn nur einige Betriebe Maßnahmen ergreifen, bleibt das Problem bestehen.

Notfallzulassungen für Insektizide

Angesichts der Bedrohung durch die Schilf-Glasflügelzikade hat die EU in diesem Jahr Notfallzulassungen für bestimmte Insektizide erteilt. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um den Landwirten kurzfristig effektive Bekämpfungsmöglichkeiten zu bieten. Hermann Dorfner berichtet im Podcast von positiven Erfahrungen mit Insektiziden wie SIVANTO® prime und Decis® forte, die in der Region eingesetzt werden. Diese Mittel haben in der Vergangenheit geholfen, die Zikadenpopulation zu kontrollieren und die Erträge zu sichern.

Allerdings sind die Notfallzulassungen zeitlich begrenzt und bieten keine langfristige Lösung. Viele Landwirte hoffen auf die Entwicklung neuer, wirksamerer Produkte, die eine nachhaltige Bekämpfung der Zikade ermöglichen. In der Zwischenzeit bleibt die enge Beobachtung der Zikadenpopulation und das rechtzeitige Handeln entscheidend.

Fazit

Die Schilf-Glasflügelzikade stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Zuckerrüben- und Kartoffelproduktion dar. Die Kombination aus klimatischen Veränderungen und der schnellen Ausbreitung dieser Zikade erfordert von den Landwirten ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Zusammenarbeit. Notfallzulassungen für Insektizide bieten eine kurzfristige Lösung, doch es bleibt abzuwarten, welche langfristigen Strategien entwickelt werden, um dieser Herausforderung zu begegnen. Die Landwirtschaft steht vor einer entscheidenden Phase, in der innovative Lösungen und gemeinsames Handeln gefragt sind, um die Erträge und die Qualität der Produkte zu sichern.
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