Agrar Magazin

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Biodiversität konkret – Artenvielfalt im Apfelanbau


Dresden / Langenfeld, 24. August 2021

„Bayer steht für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft. Modern steht dabei für den Einsatz innovativer Technologien und Verfahren, die Hand in Hand mit den Nachhaltigkeitszielen gehen – der ausgewogenen Balance von Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlichen Erwartungen. Ein konkreter Eckpfeiler sind biodiversitätsfördernde Maßnahmen, die sich mit dem gezielten Einsatz von chemischem und biologischem Pflanzenschutz vereinbaren lassen. Im Obstbau zeigen die Landwirte bereits beeindruckend, wie sich das erfolgreich umsetzen lässt. Aus den Erfahrungen und dem umfangreichen wissenschaftlichen Datenmaterial des VEOS-Projektes lassen sich wertvolle Empfehlungen für den Obstanbau allgemein ableiten“, so fasste Peter R. Müller, Geschäftsführer der Bayer CropScience Deutschland GmbH, die Bedeutung der am 24. August vorgestellten Ergebnisse des Kooperationsprojekts zusammen.

Das Langzeitprojekt wurde von Bayer initiiert und im Jahr 2009 gemeinsam mit dem Obstbaubetrieb Ebenheit, der Erzeugerorganisation Dresdener Obst und der VEOS Vertriebsgesellschaft gestartet. Das Projekt wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Weitere Maßnahmen für eine nachhaltige Obstproduktion wurden auf den Flächen seit 2012 in einem unabhängigen Projekt im Rahmen des PRO PLANET-Biodiversitätsprojekts seitens der REWE Group und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit der VEOS umgesetzt.

Große Erfolge für kleine Tiere
„Gerade der Obstbau ist auf die Bestäubungsleistung von Wildbienen, aber auch die Schädlingsregulierung durch Nützlinge, wie Schwebfliegen oder bestimmte Wespenarten, angewiesen. Deswegen stehen die insektenfördernden Maßnahmen im Fokus der Projekte. Die Kombination von Maßnahmen, wie Blühflächen und unterschiedliche Arten von Nisthilfen, haben sich dabei als wichtigstes Erfolgskriterium erwiesen“, so Dr. Bernd Falkenau, CEO der VEOS Vertriebsgesellschaft für Obst mbH Dresden. Denn den Insekten fehlen hierzulande Lebensräume, also „bed&breakfast“, von hoher Qualität. Letztere charakterisiert vor allem, dass Störfaktoren, wie Überfahrten und Eingriffe, so weit wie möglich reduziert werden.

Wissenschaftliche Begleitung und neueste Methodik
Das von Bayer initiierte Projekt wurde während der gesamten Laufzeit durch den Entomologen Dr. Jürgen Esser wissenschaftlich begleitet. Nur so ist eine seriöse Beurteilung der Maßnahmenwirkung möglich. So wurde etwa für das Monitoring die neue Methode des Meta-Barcoding angewendet, bei dem durch eine genetische Analyse der Proben die vorkommenden Arten bestimmt werden. „So konnten wir hier am Standort die Glockenblumen-Wespenbiene nachweisen, die deutschlandweit vom Aussterben bedroht ist und in Sachsen zuletzt vor 1944 nachgewiesen wurde“, erläuterte Dr. Jürgen Esser, Büro für Freilandökologie, eines der Highlights.

Über ein Drittel der 133 nachgewiesenen Wildbienenarten – darunter ein Viertel der 45 nachgewiesenen Grabwespenarten – gelten in Sachsen in ihrem Bestand als gefährdet. Diese insgesamt recht hohen Zahlen – sie entsprechen zusammen zwölf Prozent der in Sachsen insgesamt gefährdeten Wildbienenarten – verdeutlichen, dass die Obstanlagen hinsichtlich der Artenzusammensetzung noch relativ intakte Wildbienen-Lebensgemeinschaften beherbergen – und dass die Maßnahmen, wie Blühflächen und Nisthilfen, den Bestand und dessen Entwicklung stärken.

Mit „klassischen“ Nisthilfen (zum Beispiel „Insektenhäusern“) sowie Erdhügeln, offenen Bodenstellen oder Steilwänden lässt sich zudem die Strukturvielfalt fördern. Davon haben vor allem Wildbienen und Wespen profitiert. Viele andere Arten besitzen so spezielle Nistplatzansprüche (zum Beispiel Schneckenhäuser, Pflanzengallen, markhaltige oder hohle Pflanzenstängel, morsches Holz, Vertiefungen in Steinen, größere Hohlräume etc.), dass ihnen nur durch eine möglichst hohe Strukturvielfalt geholfen werden kann. Diese wurde durch die Anlage von Blühflächen, Totholzhaufen, Steinhaufen und Hecken geschaffen. Die klassischen Insektenhäuser spielen eine wichtige Rolle, wenn es um spezifische Bestäuber im Obstbau, wie die Mauerbienen, geht. Als positiv haben sich zudem rohe Sandflächen erwiesen. Sie sind ein spezifisches Nisthabitat, das ansonsten in den Obstanlagen selten verfügbar ist.

Alle erprobten Nisthilfen wurden von Wildbienen und aculeaten Wespen (Stechwespen) zur Anlage von Nestern genutzt. Auf den Sandflächen konnten zehn nestbauende Arten als Besiedler nachgewiesen werden, in den Insektenhäusern 22. Auf den Sandflächen kam es zu einer Massenvermehrung einer Fliegenspießwespe, die aufgrund ihres Beutespektrums (Fliegen) als Nützling einzustufen ist. In den Insektenhäusern kam es zu der erwünschten Vermehrung der als Bestäuber im Obstbau wichtigen Mauerbienen. Die Erdhügel und Steilwände wurden von 39 verschiedenen Wildbienenarten besiedelt.

Kooperationen sind elementar
Als beispielhaft lässt sich auch die Zusammenarbeit zwischen der VEOS, dem NABU und der REWE Group im Rahmen des PRO PLANET-Biodiversitätsprojekts beschreiben. „Der Verlust von Biodiversität hängt an diversen Faktoren, wie der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Verlust von hochwertigen Lebensräumen und dem Klimawandel. Mit der ökologischen Aufwertung der Landschaft und mehr naturnahen Flächen im intensiven Anbau können Landwirte einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten. Dass das funktioniert, zeigen wir hier seit vielen Jahren eindrucksvoll“, fasst Philipp Steuer vom NABU Sachsen zusammen, der das PRO PLANET-Biodiversitätsprojekt von NABU und der REWE Group für die Region Sachsen betreut.

Thomas Bierig vom Landesverband Sächsisches Obst e.V. erläutert, was das Bundesprojekt ‚Ökologische Vielfalt in Obstanlagen‘, das auf weiteren Obstbaubetrieben in Sachsen läuft, deswegen anstrebt: „Ziel ist die Ausarbeitung eines leitartenbasierten und für Betriebe praktikablen Maßnahmenkatalogs zur Erhöhung von Biodiversität in Obstanlagen. Durch Praxisbeispiele soll die Umsetzungsschwelle in den Betrieben herabgesetzt und Anregungen zur Nachahmung gegeben werden. Die Ergebnisse werden aktiv in die Beratung sowie in Schulungs- und Fortbildungsangebote einfließen.“ Das deutschlandweite Verbundprojekt, koordiniert von der Universität Hohenheim, wird gefördert von BMU und BfN.

Landwirte brauchen – und wollen – Beratung
In der Summe zeigt sich, dass eine Biodiversitätsberatung bei Landwirten auf fruchtbaren Boden fällt. Der Erfolg hängt ab von deren Motivation und Sachverstand, von effektiven Kooperationen, die den Handel miteinschließen, sowie von modernen Technologien zur Umsetzung einerseits und zur Erfolgsmessung der durchgeführten Einzelmaßnahmen andererseits.

 

Ihr Ansprechpartner:
Heinz Breuer, Tel.: 02173 / 2076-298
E-Mail: heinz.breuer@bayer.com

Weitere Informationen finden Sie unter www.bayer.de/nachhaltigkeit