Agrar Magazin

ReGenFarm 2026: Karin Guendel Gonzalez (Bayer) mit Ministerin Silke Gorißen, Forschungszentrum Jülich, Bernd Nörig
Aktuelles

Landwirtschaft resilient und zukunftssicher machen

Bayer und Forschungszentrum Jülich stellen NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen Forschung zu regenerativer Landwirtschaft vor.

  • Sichere Erträge und nachhaltig mehr Kohlenstoff im Boden binden sind essenzielle Ziele für eine Landwirtschaft im Klimawandel.
  • Im Projekt ReGenFarm kooperieren Bayer und FZJ, um praxisrelevante Ansätze zur regenerativen Landwirtschaft durch Digitale Zwillinge, Pflanzenphänotypisierung und Bodenmikrobiom-Forschung zu entwickeln.

Monheim und Jülich, 1. Juli 2026

Bodengesundheit und Klimaschutz gehören zu den zentralen Herausforderungen für die Landwirtschaft – schon heute und zunehmend unter den Bedingungen des Klimawandels. Die Landwirtschaft hat dabei durch Sortenwahl und Art der Bewirtschaftung unmittelbaren Einfluss auf wichtige Parameter, wie Humusgehalt, Bodenstruktur oder Bodenfruchtbarkeit. Viele regenerative Ansätze sind heute schon Teil der guten landwirtschaftlichen Praxis von Landwirtinnen und Landwirten. Da sich die Herausforderungen im Klimawandel jedoch schnell verändern, braucht es wissenschaftliche Evidenz, verlässliche Vorhersagen und Werkzeuge, die in der Praxis nutzbar sind. Hier setzt die Kooperation von Bayer und dem Forschungszentrum Jülich im Projekt ReGenFarm an. Um anwendungsrelevante Ergebnisse zu erzielen und das Wissen aus der landwirtschaftlichen Praxis direkt einzubeziehen, wurde von Anfang an der Damianshof in Rommerskirchen in das Projekt eingebunden. Der Damianshof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der Teil des globalen Bayer ForwardFarming Netzwerks ist. Hier werden Bewirtschaftungsszenarien, die die Forscher aus Jülich und von Bayer gemeinsam erarbeitet haben, praktisch erprobt. Parallel dazu wird ein digitales Abbild – ein sogenannter Digitaler Zwilling – des Betriebs erstellt. Damit können die Effekte verschiedener Ackerbaumaßnahmen abgebildet werden. Gleichzeitig lassen sich Zukunftsszenarien unter verändertem Klima und mit unterschiedlichen Bewirtschaftungsoptionen zunächst virtuell testen. So kann der Digitale Zwilling dem Landwirt praktische Entscheidungshilfen liefern.

LifeHub ist Bayers globale Plattform für Open Innovation, also der Zusammenarbeit mit externen Partnern in der Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, neue Lösungen für die Landwirtschaft bereitzustellen. Am Bayer Hauptsitz in Monheim fungiert der LifeHub als ein Inkubator für Start-ups und fördert das regionale Innovationsökosystem in NRW, indem Start-ups angesiedelt werden und ihr Wachstum gefördert wird. Drei verschiedene Arbeitsbereiche stehen im Mittelpunkt des Projekts ReGenFarm, das gemeinsam von dem Bayer LifeHub in Monheim und dem Forschungszentrum Jülich als Public Private Partnership koordiniert und finanziert wird:

1. Ein Digitaler Zwilling des Damianshofs 
Der Digitale Zwilling bildet das virtuelle Herzstück des Projekts. Er integriert Daten zu Böden, Klima, Bewirtschaftung und Ackerbau. Damit ermöglicht er die Simulation von Bewirtschaftungsoptionen – von der Fruchtfolgegestaltung bis hin zur Düngeoptimierung. Zudem soll ermittelt werden, welche Auswirkungen regenerative Ackerbaumaßnahmen auf die Kohlenstoffbindung im Boden haben. Der Digitale Zwilling soll dabei so gestaltet werden, dass er Landwirtinnen und Landwirten als praktisch nutzbares Werkzeug zur Verfügung steht. So kann das Tool Entscheidungen über alternative Bewirtschaftungsformen und deren Auswirkungen wissenschaftlich fundiert unterstützen.

2. Pflanzensorten und -anbau zur Verbesserung von Bodengesundheit und Bodenstruktur 
ReGenFarm erforscht auch Eigenschaften von Kulturpflanzen – insbesondere von Wurzeln – sowie den Einfluss von Zwischenfrüchten auf die Speicherung von Kohlenstoff im Boden, und, wie die Bodenstrukturen stabilisiert werden können. Die Ergebnisse fließen einerseits in die Pflanzenzüchtung ein, um neue Sorten zu entwickeln, die hohe Erträge erzielen und gleichzeitig die Kohlenstoffbindung im Boden fördern. Andererseits werden pflanzenbauliche Alternativen für Bodengesundheit und Kohlenstoffspeicherung ausgearbeitet. In einem nächsten Schritt werden ausgewählte Ansätze in einer speziellen Anlage zur Simulation zukünftiger CO2-Konzentrationen unter Feldbedingungen (FACE) getestet.

3. Bodengesundheit und Bodenmikrobiom 
Die Bodengesundheit wird wesentlich durch die Interaktion von Pflanze, Boden und Mikroorganismen bestimmt. Im Projekt untersuchen die Partner, welche Rolle diese Interaktion für Bodenstruktur und Nährstoffkreisläufe spielt. Hier werden auch neue wissenschaftliche Methoden eingesetzt, um das Mikrobiom im Boden messbar, vergleichbar und bewertbar zu machen. So entsteht ein neuer Wissensstand über das Bodenmikrobiom, der dann in die Bewirtschaftungsansätze und letztendlich auch in den Digitalen Zwilling einfließen kann.

Das Außergewöhnliche an diesem Projekt ist: Wissenschaft, Industrie und Landwirtschaft arbeiten sehr eng zusammen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und pflanzliche Produktion sowie Bodengesundheit evidenzbasiert resilienter zu gestalten. Dieser interaktive Ansatz des Projekts soll dafür sorgen, dass Innovationen nicht im Labor steckenbleiben, sondern schneller in die Praxis und auf die Felder gelangen. Aber das Projekt endet nicht bei naturwissenschaftlich-technischen Konzepten: Bayer wird mit den Projektpartnern auch an der Umsetzung von neuen Geschäftsmodellen und Produkten arbeiten. So sollen die Erkenntnisse schnell skaliert und auf andere Fälle übertragen werden sowie der landwirtschaftlichen Praxis zugutekommen.


Zitate zur Forschungskooperation ReGenFarm:

Dr. Heiko Rieck, Bayer AG, Product Unit Lead / Pest Control
Prof. Dr. Johan Alexander Huisman, Forschungszentrum Jülich, Head of research group „Vadose Zone Hydrogeophysics“

„ReGenFarm ist für uns eine echte Partnerschaft, in der Bayer und Jülich gemeinsam daran arbeiten, Landwirtschaft zukunftsfähiger zu machen. Wir bündeln das tiefe wissenschaftliche Know-how und die einzigartige Infrastruktur des Forschungszentrums Jülich mit der praxisrelevanten Forschung von Bayer und dem Zugang zu landwirtschaftlichen Betrieben und Praxiswissen. Durch diese Kombination wollen wir neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, sie in praktische Werkzeuge und Produkte umsetzen und so Landwirtinnen und Landwirte dabei unterstützen, auch unter zukünftigen Klimabedingungen gesunde Böden als Basis regenerativer Landwirtschaft zu bewirtschaften.“

Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
„Das ReGenFarm-Projekt steht exemplarisch für einen wissenschaftsbasierten, technologieoffenen und praxisnahen Ansatz in der Landwirtschaft. Es verbindet Klimaanpassung, Bodenschutz, Humuswirtschaft und moderne Pflanzenzüchtung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern und gleichzeitig einen Beitrag zu Klima- und Umweltschutz zu leisten. Durch die enge Zusammenarbeit der Projektpartner finden wissenschaftliche Erkenntnisse einen direkten Weg in die Praxis. Diese Erkenntnisse können sich in weiteren Schritten positiv auf den Strukturwandel im rheinischen Revier auswirken und Grundstein für neue Konzepte in der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus sein.“


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