Agrar Magazin / Politik

Peter R. Müller, Geschäftsführer der Bayer CropScience Deutschland
Politik

"Respekt für die Landwirtschaft": Peter R. Müller zum Koalitionsvertrag

Die vergangenen Wochen waren bei uns von Anspannung geprägt. Denn die deutsche Landwirtschaft steht vor immensen Herausforderungen und greifbare politische Lösungsansätze blieben bislang aus. Nun haben die neuen Regierungsparteien ihren Koalitionsvertrag für die Jahre 2021 – 2025 präsentiert. Und für mich ist klar: Die Landwirtschaft wird ernst genommen. Wir bei Bayer helfen nun gerne dabei, Worten auch Taten folgen zu lassen.
Eines vorab: Es freut mich sehr, dass die neue Regierung der Landwirtschaft im Koalitionsvertrag viel Platz eingeräumt hat: Auf 12 von insgesamt 177 Seiten finden sich entsprechende Referenzen wieder. Das unterstreicht die Bedeutung der Landwirtschaft in der zukünftigen Ausgestaltung unseres Landes, und die Rolle, welche die drei Parteien unseren Landwirten und Landwirtinnen beimessen. SPD, Grüne und Liberale haben sich darauf geeinigt, dass es eines der vorrangigen Ziele sein muss, Landwirtschaft nachhaltig und zukunftsfähig zu machen. Sie formulieren den klaren Auftrag, eine Landwirtschaft zu schaffen, ”in der die Bäuerinnen und Bauern ökonomisch tragfähig wirtschaften können und die Umwelt, Tieren und Klima gerecht wird.” Schon seit Jahren setzen wir uns dafür ein, die Lebensrealtität unserer Landwirte und Landwirtinnen in der Transformation der Landwirtschaft zu berücksichtigen und werden die neue Regierung bei der Erreichung dieser Ziele unterstützen.

Klimaschutz ist ein roter Faden im Koalitionsvertrag. Die Rolle der Landwirtschaft wird erstmalig auch politisch unterstrichen.

Der Klimaschutz ist für unsere Gesellschaft und die Landwirtschaft von immenser Bedeutung. Unser Sektor ist in Deutschland für 8,2% der Treibhausgasemissionen verantwortlich – global liegt der Anteil bei circa einem Drittel. Noch allerdings ist die Rolle der Landwirtschaft beim Klimaschutz, sowohl als Verursacher, wie auch als möglicher Lösungstreiber, im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent.  Die Koalitonäre haben erkannt,  dass ein sektorübergreifender Beitrag zur Erreichung der Klimaziele geleistet werden muss. Wir begrüßen dies. Denn Bayer hat dafür bereits heute die notwendigen Werkzeuge parat:

Mit unserem Dekarbonisierungsprogramm reduzieren und kompensieren wir den Ausstoß von CO2 in der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette dauerhaft. Es trägt aktiv zur Entwicklung des Carbon Farmings in Europa bei, indem es direkt mit den Landwirten in ihrer Rolle als Primärerzeuger zusammenarbeitet und Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette mit einbezieht. Diese Zusammenarbeit ebnet den Weg für ein kohlenstoffarmes Ernährungssystem in Europa und wird den unterschiedlichen Bedürfnissen von Landwirten und Landwirtinnen, Umwelt und Verbrauchern gerecht.

All dies muss sozio-ökonomische und gesamtgesellschaftliche Faktoren berücksichtigen: Die Wirtschaftlichkeit der Landwirte oder die Wahrung der Ernährungssicherheit. Von der Politik erwarten wir, diesen Prozess durch entsprechende Fördermittel und Pragmatismus zu begleiten, damit er für Landwirte und Landwirtinnen und die gesamte Gesellschaft ökonomisch, sozial und  nachhaltig ist.

Die neue Regierung hat große Ambitionen und Visionen. Dabei stützt sie sich auf wissenschaftliche Grundlagen und Innovation.

Bayer ist ein Wissenschaftsunternehmen. Unsere jährlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung belaufen sich auf über 5 Milliarden Euro und in der Division CropScience sind die Ausgaben mit rund 2 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie die jeweiligen Ausgaben der wichtigsten Wettbewerber. Dazu beschäftigen wir tausende Forscher und basieren unsere Entscheidungen auf wissenschaftlichen Fakten. Dass die neue Regierung in Sachen Zulassungsverfahren explizit denselben Ansatz wählt, bringt Sicherheit und Stabilität für die gesamte Industrie. Es stimmt uns zuversichtlich, dass auch bei politisch brisanten Themen wie der Wiederzulassung von Glyphosat transparente, rechtssichere und wissenschaftliche Kriterien angewandt werden. Zudem begrüßen wir die generelle Absicht zur Beschleunigung von Zulassungsverfahren und die Verbesserung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln - insbesondere für Anwendungen von geringfügigem Umfang bei vielfältig angebauten Sonderkulturen, für den Vorratsschutz und für geeignete Resistenzstrategien. Auch die explizite Unterstützung für die Züchtung klimarobuster Pflanzensorten ist ein sehr positives Signal.

Laut Koalitionsvertrag wollen die Parteien in der Landwirtschaft auf Innovation, digitale Anwendungen und moderne, zielgenaue Applikationstechniken setzen. Das ist richtig und wichtig. Die Digitalisierung der Landwirtschaft spielt eine essenzielle Rolle und wird in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Technologien wie Drohnen und Satelliten und automatisierte Traktoren und Erntemaschinen sind nur einige Beispiele, die für eine detailgenaue Analyse von Boden, Pflanzen und Wetterdaten relevant sind. Dabei soll auch auf die intelligente Verknüpfung dieser Daten geachtet werden. Im Sinne einer digitalen Landwirtschaft bemüht sich Bayer, gemeinsam mit Landwirten und Landwirtinnen innovative Maßnahmen und neue Technologien für eine nachhaltige Landwirtschaft zu erforschen und einzusetzen.

Um ihre Ziele zu erreichen, braucht die neue Regierung gute und zuverlässige Partner. Wir werden unseren Teil beitragen und sind bereit Verantwortung zu übernehmen.

Bayer hat sich in seiner über 150-jährigen Geschichte durch Forschung und Innovationen stets auf neue Herausforderungen eingestellt. Durch jede Weiterentwicklung sind wir selbst Gegenstand einer Debatte geworden, sei es mit kritischen Vorzeichen in Bezug auf grüne Gentechnik und Pflanzenschutz oder positiv, zum Beispiel bei der Entwicklung von Impfstoffen. Beides führt dazu, dass wir verstärkt daran arbeiten, den öffentlichen Diskurs zu begleiten und zu gestalten. Mit unserer unternehmerischen Expertise können und wollen wir einen konstruktiven Beitrag zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt in Deutschland leisten.

Deshalb freuen wir uns auf der Grundlage dieses Koalitionsvertrags sehr auf die Zusammenarbeit mit der neuen Bundesregierung. Wir wollen Vorreiter und Vorbild sein beim Klimaschutz, engagieren uns schon heute stark im Bereich der digitalen Transformation der Landwirtschaft und arbeiten akribisch an neuen, umweltschonenderen Lösungen. Wir wollen die Koalitionäre dabei unterstützen, ihren Worten nun Taten folgen zu lassen. Gerne lade ich den designierten Landwirtschaftsminister Cem Özdemir zu einem Besuch auf einem der zahlreichen von uns unterstützten Betriebe in Deutschland ein. Dann kann er sich selbst vor Ort ein Bild davon machen, wie unsere Landwirte und Landwirtinnen bereits heute eine zukunftsfähige Landwirtschaft praktizieren.

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