Agrar Magazin / Resistenzmanagement

Herbizideinsatz im Herbst
Resistenzmanagement

Herbizidresistenz im Getreide: Ursachen verstehen und im Herbst wirksam bekämpfen

Die zunehmende Herbizidresistenz stellt eine der größten Herausforderungen im modernen Ackerbau dar. Besonders Ungräser wie Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Weidelgras breiten sich zunehmend aus und erschweren die sichere Ertragsbildung.

Eine frühzeitige und strategische Bekämpfung – insbesondere im Herbst – ist entscheidend, um Resistenzen zu vermeiden und den Befallsdruck nachhaltig zu reduzieren.

Wie entstehen herbizidresistente Unkräuter?

Herbizidresistente Pflanzen reagieren nicht mehr ausreichend auf Pflanzenschutzmittel. Ursache ist eine natürliche, vererbbare Eigenschaft einzelner Pflanzen, die sich unter bestimmten Bedingungen durchsetzt.

Die wichtigsten Faktoren für Resistenzentwicklung:

  • wiederholter Einsatz gleicher Wirkstoffe
  • hohe Herbizidintensität
  • enge Fruchtfolgen mit Wintergetreide
  • reduzierte Bodenbearbeitung
  • frühe Saattermine

Kurz erklärt:
Einseitige Strategien fördern resistente Biotypen – diese setzen sich langfristig durch.

Verbreitung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm in Deutschland

Resistente Ungräser sind mittlerweile bundesweit verbreitet. Besonders stark betroffen:

  • Südwestdeutschland → hoher Ackerfuchsschwanzdruck
  • Nordostdeutschland → zunehmende Probleme mit Windhalm

In einigen Regionen verlieren klassische Herbizide bereits deutlich an Wirkung.

Ackerfuchsschwanz- und Windhalmverbreitung in Deutschland 2021
Mit resistenten Ackerfuchsschwanz (li.) bzw. Windhalm (re.) befallene Getreideflächen in Deutschland. Basis: Eigene Erhebungen 2021

Podcastfolge zur Herbstbehandlung: Gleich anhören!

In dieser Podcastfolge von "Säen & hören" spricht Thomas mit Matthias Voß, Vertriebsberater bei Bayer,  über die Vorteile einer Herbstbehandlung  und worauf Landwirte bei der Bekämpfung von Ungräsern achten sollten.

Warum kleine Wirkungsunterschiede große Folgen haben

Bereits minimale Unterschiede in der Herbizidwirkung haben große Auswirkungen auf die Population:

  • − 0,5 % Wirkung → deutlicher Anstieg des Ungrasbesatzes
  • + 0,5 % Wirkung → deutliche Reduktion der Population

Schlüsselprinzip:
Hohe Wirkungsgrade sind entscheidend, um das Samenpotenzial langfristig zu kontrollieren.

Einfluss der Herbizidwirkung auf den Populationskreislauf bei Ackerfuchsschwanz
Im inneren Ring ist dargestellt, dass sich bei gleichbleibender Wirkung der Ackerfuchsschwanzbesatz nicht verändert. In den äußeren Ringen zeigen sich die Auswirkungen auf die Ackerfuchsschwanzpopulation bei einem Wirkungsverlust bzw. Wirkungssteigerung von+/- 0,5%.

Herbstbehandlung als Schlüssel zur Resistenzvermeidung

Die Bekämpfung im Herbst ist ein zentraler Baustein im Resistenzmanagement:

  • erweitert die verfügbaren Wirkstoffmechanismen
  • entlastet Frühjahrsherbizide
  • reduziert frühzeitig das Samenpotenzial
  • verhindert starke Bestände im Frühjahr

Gerade nach milden Wintern entwickeln sich Ungräser sonst sehr schnell weiter.

Wirkstoffkombinationen gezielt einsetzen

Da neue Wirkstoffgruppen kaum verfügbar sind, wird die Kombination bestehender Wirkstoffe immer wichtiger.

Mit Mateno® Trio Set steht eine innovative Lösung für die Herbstbehandlung zur Verfügung.

Vorteile der Kombination:

  • drei unterschiedliche Wirkmechanismen (inkl. HRAC Gruppe 32)
  • wirksame Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm
  • Aufnahme über Spross und Wurzel
  • nachhaltige Unterstützung des Resistenzmanagements

Die Kombination aus Aclonifen, Diflufenican und Prosulfucarb erhöht die Wirkungsbreite deutlich. 

Blick in die pflanzliche Zelle

Ergänzende ackerbauliche Maßnahmen

Neben chemischen Lösungen sind ackerbauliche Strategien entscheidend:

  • vielfältige Fruchtfolgen
  • Einsatz von Zwischenfrüchten
  • spätere Saattermine
  • Scheinsaatverfahren („falsches Saatbett“)
  • Pflugeinsatz bei starkem Befall

Ziel: Ungrasdruck bereits vor der Herbizidanwendung reduzieren.

Erfolgsfaktoren fuer die Herbstbehandlung

Für maximale Wirkung sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • richtige Aufwandmenge und Applikationstechnik
  • optimaler Einsatzzeitpunkt
  • Wechsel der Wirkstoffgruppen
  • Kombination chemischer und mechanischer Maßnahmen

KurzFazit

Herbizidresistenz entsteht durch einseitige Strategien und nimmt im Ackerbau weiter zu.

Eine frühzeitige Herbstbehandlung, kombiniert mit Wirkstoffwechsel und ackerbaulichen Maßnahmen, ist der effektivste Weg, um resistente Ungräser zu kontrollieren und Erträge langfristig zu sichern.

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